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Leseprobe: Stefan David Kaufer - "Meine schönen Grenzen."

Was gibt es denn da aber eigentlich zu schreien? Ist nicht vielmehr alles in Ordnung, in Schwebe, in eigentümlicher, dafür aber richtiger, schwebender Ordnung? Was bin ich - noch? Wie wird mir? Ich bin schwach, aber ich bin geborgen, in anschmiegender Feuchtigkeit vielleicht, in schöner Wärme. Mir ist warm, es ist warm Es ist nicht bloß naßwarm, wie in einem Hallenschwimmbad, nein, es ist viel mehr!, es ist mich überall und allumfassend, es ist allumfassen, Wasser? See? Quelle?, alles!, und Kälte nehme ich im Moment nicht mehr wahr, entfernt noch vielleicht, eine kleine Idee von Kälte und Regen, als Nachhall, hinabrollend, in der Ferne bald verschwindend, hinunter den Berg des ehemaligen Körpers, des ehemaligen tauben Fleisches.
Es ist nicht hell, es ist nicht dunkel - es ist nur schön. (S. 19)

Als einziger habe ich doch Dauer und Ewigkeit! Was ist Gott, wenn Gott Fußnägel einwachsen läßt ins Fleisch? -: Schmerzen, Vergehen, Faulen, Schwärze, Abfallen! Was ist das dann? Gibt es nicht bei mir. Einmal rotlackiert, immer rotlackiert und immer weiß und weich! Und Lippen einmal rot, immer rot, und Zungen und Zahnfleisch haben immer blühendstes Rot! Immer und immer frisch. Keine Organe, die von Viren oder Bakterien zerfressen werden wie von Bienen oder Hummeln, das Alter auch, gemein und feige, es kommt wie von hinten, und dann ist das betreffende Organ schon ausgelaugt, verbraucht oder ganz kaputt, und ohne geht's dann nicht mehr so gut weiter, Organ um Organ wie Trieb um Trieb und Blatt um Blatt gibt dann sozusagen den Löffel ab, bis der große Löffel abgegeben wird, und dann ist es aus mit dem Suppeessen. Dann ist das Spiel aus, weil keine Spielsachen mehr. Doch mein Spiel ist niemals aus! Bei mir gibt es kein Alter, weil es kein Altern gibt bei mir. Hättest Du nicht Lust darauf? Möchtest Du nicht vielleicht doch dazugehören? Ich könnte Dich auch losbinden und Dir sieben Schlösser geben sofort. Sieben Burgen mit Türmchen für eine einzige Prinzessin. Wärst Du nicht eigentlich doch gerne dabei? Wärst Du nicht eigentlich doch gerne bei mir? Neinnein! (S. 61)

© 1999, Edition Löwenzahn, Innsbruck.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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