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Leseprobe: Martin Kubaczek - "Hotel Fantasie."

Plötzlich treffe ich in einer Serpentine, die ich bisher immer nur herabkam, auf einen Steinlagerplatz, wie in einer Bucht gelegen, von Föhrenwald umsäumt. Ich fahre den Sandweg hinein; ein Fasan fliegt auf, streift in einem schwerfälligen Bogen durchs Holz; es riecht nach Nadeln und trockenem Kraut; ich fühle mich, drei-, vierhundert Meter lang, wie in einem anderen Land. Ich atme die ätherisch trockene Luft tief aus und ein, stehe zwischen den Stämmen, als hüteten sie ein Geheimnis, aber draußen geht der Bauer gebückt über die leere Fläche seines Feldes, eine fremd vertraute TERRA COGNITA.

Ich betreibe also eine Kartographie. Was sich zusammensetzt, ist eine innere Landschaft - es ist kein Duplikat, es schafft erst die Landschaft selbst. Es gibt ohne diese innere Koordination keine zusammenhängende äußere Wirklichkeit. Ich rolle über die Straßen und suche in mir das Netz. Ich fahre die Fäden wieder und wieder ab, aber es ist, als ob mein Bewußtsein aussetze. Ein Tal, in dem ich langsam dahinrolle, erkenne ich erst nach etlichen hundert Metern wieder - denn da kehre ich um und fahre es zurück, und aus dieser Ansicht ist es mir plötzlich wieder vertraut. (So als würde ich einen Menschen nur aus einem bestimmten Blickwinkel erkennen.) (S. 15)

Wir stehen im Musikzimmer, im Fenster leuchtet der Abendhimmel rotorange. Wir drehen das Licht nicht an. Rie steht stumm mit dem Gesicht zum Fenster. Sie hat die Jalousie hochgezogen, einige Dinge zur Seite geräumt, herrisch ergreift sie Besitz, als wolle sie endlich verfügen über das alles. Langsam trete ich an sie heran. Ich beuge mich hinunter. Ich schließe die Lider, ich spüre meinen Atem zurückweichen von ihrer Schulter. Sie steht bewegungslos am Fenster. Ich kann den Geruch ihres Haares wahrnehmen, so nahe bin ich ihr. Wir stehen still, schweigen, schließlich berühre ich ihren Rücken mit der Hand und fühle erschrocken, wie ein Schauder durch ihren Körper läuft. Reglos schaut sie geradeaus in die dunkelblau sich färbende Nacht. Die Stadt liegt als Silhouette jenseits des Flusses, die erleuchteten Fenster wie ausgestanzt, Scherenschnitte in der Nacht. Auf den Hochhäusern leuchten die Markierungslichter für Flugzeuge auf, langsam und gleichmäßig blinken sie rot in den nachleuchtenden Sonnenhimmel-Untergang.

Ich wollte gerne, daß du meine Sprache besser könntest, sagte sie. Ich möchte dir in meiner Sprache sagen können, daß du verstehst. (S. 69)

© 1999, Folio, Wien, Bozen.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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