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Horst Karasek: Rasend das Herz.

Chronik eines zu Ende gehenden Lebens.
Mit einem Vorwort von Hellmuth Karasek.
München: Luchterhand Literaturverlag, 1998.
133 S., geb.; DM 32.-.
ISBN 3-630-86995-5.

Link zur Leseprobe

Mit dem Mofa von Sainte Vertu über Yrouerre nach Tonnere, durch die idyllische sommerliche Landschaft Südfrankreichs. Die Fahrt ist keine Ausflugsfahrt, sondern Horst Karasek ist unterwegs zur Bauchfelldialyse: Fast schon absurd mutet diese Situation an. Sie gehörte aber zum Alltag des 1939 in Wien geborenen und vor kurzem verstorbenen Autors, der an einer schweren Nierenerkrankung litt und diese auch zu seinem literarischen Thema machte. Oder, wie es sein Bruder Hellmuth Karasek im Vorwort zu diesem Erzählband aus dem Nachlaß des Schriftstellers formuliert: "Horst ist durch seine schwere Krankheit ein zweites Mal zum Schriftsteller geworden. Das heißt, die Krankheit hat ihm das Thema seines Schreibens zu diktieren begonnen."
(S. 9)

Die autobiographischen Texte kreisen alle um das Leben mit der Krankheit. Sie spannen einen Bogen von der Mofafahrt, die den Ausgangspunkt markiert, über den ganzen Zeitraum der Krankheitsgeschichte, um am Schluß wieder bei dieser ersten Mofafahrt zu enden. Der in der ersten Erzählung angedeutete Unfall mit dem Mofa findet in der letzten seine tragische Vollendung. Insofern ist der Untertitel einer "Chronik" irreführend, denn es gibt keine lineare Erzählhandlung.

Krankheit und Tod: In der (westlichen) Gesellschaft ist das ein nach wie vor tabuisiertes Themenfeld. Die Obermacht des körperlich "Gesunden" und der öffentliche Zwang zur Leistungsfähigkeit, zum "Funktionieren", prägen unser Verhältnis zum Körper. Da verstören die sehr persönlichen Erzählungen eines Kranken. Er stößt uns mit den Berichten an unsere Denkgrenzen: Wie mit einer Krankheit im Alltag umgehen, sie als unabänderliche Lebenswirklichkeit begreifen? Wie sehr er von seinem Körper abhängt, muß auch der Autor erst akzeptieren lernen. Die Krankheit bestimmt seine Beziehung zu Zeit und Raum. So beispielsweise, wenn die Leistung eines Mofas nach den körperlichen Bedürfnissen berechnet und die Tankfüllung mit einer Dialyse-Bauchfüllung verglichen wird (S. 22). Nach der Nierentransplantation scheint ein "normaler" Alltag wieder möglich zu sein. Das Ausblenden des körperlichen Nicht-Funktionierens hat aber Folgen: Der Körper stößt die Niere ab, es drohen Herzinfarkt oder Hirnschlag, die Kortisonkur wirkt sich psychisch negativ aus, eine Lungenentzündung kommt dazu, dann die Trennung von der Freundin.

Es liest sich wie ein Horrortrip. Was das Buch aber ausmacht, sind der Lebenswille und Lebensmut des Autors, der sich nicht unterkriegen läßt, sondern mit seiner Krankheit zu leben lernt und trotzdem das Leben, auch das Liebesleben, genießt. Und er behält die Vergänglichkeit stets im Blick, setzt sich mit Vorstellungen vom Tod auseinander, dem er seinen Schrecken nimmt. Die Leser werden nicht zu mitleidenden Voyeuren eines körperlichen Verfalls, sondern nähern sich über die Erzählungen an eine selten thematisierte körperliche Realität an.

Ivette Löcker
2. Dezember 1998

 

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