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Franz Kafka: Historisch-Kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte

Herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle.
Basel, Frankfurt / Main: Stroemfeld / Roter Stern, 1997.
geb.; DM 398.-.
ISBN 3-87877-494-X.

Mit der historisch-kritischen Neuedition sämtlicher Schriften von Franz Kafka hat der Stroemfeld Verlag Anfang 1995 begonnen, unmittelbar nach dem Erlöschen der Copyright-Frist, siebzig Jahre nach dem Tod des Autors.
Die Ausgabe folgt in Orthographie, Wortlaut und Zeichensetzung den überlieferten Handschriften und Typoskripten. Sie werden im Faksimile wiedergegeben, die Handschriften mit einer typographischen Umschrift versehen.
Anders als bei bisherigen Kafka-Ausgaben wird das gesamte Werk dokumentiert, die Texte originalgetreu mitgeteilt. Sie werden weder standardisiert noch auch nur geringfügigst verändert. Durch das große Format der Ausgabe ist es möglich, die von Kafka verwendeten Quarthefte im Originalformat zu reproduzieren. Die Ausgabe ist auf etwa 15 Bände angelegt.

Nach einem eigenen Einleitungsband, der neben einer ausführlichen Begründung dieser neuen Edition die Handschriften-Faksimiles des "Dom"-Kapitels aus dem "Process" und - exemplarisch für die Textdarstellung von Drucken - die Erzählung "Das Urteil" enthält, ist nun als erstes großes Konvolut "Der Process" erschienen.

Kafka schrieb von August 1914 bis Januar 1915 an diesem Fragment gebliebenen Roman. Der Text war handschriftlich in Schulheften enthalten, wie er sie auch für seine Tagebuchaufzeichnungen gerne verwendete. Kafka löste diese Hefte jedoch auf und legte die einzelnen Blätter zu Konvoluten zusammen, die jeweils ein Kapitel bzw. einen Kapitelanfang enthielten. Die einzelnen Kapitel versah er mit Umschlägen, auf denen er in Stichworten den Inhalt notierte. Die Arbeit an diesem Roman hat er auch später nicht wieder aufgenommen, sodaß keine von ihm autorisierte Ausgabe existiert.

Der Schuber dieser neuen "Process"-Edition enthält 18 Hefte, entsprechend den einzelnen Kapiteln des Romans. Heft 1 beinhaltet neben der Entstehungsgeschichte und einer Kritik der bisherigen Editionspraxis (v. a. an Brod und Pasley) eine genaue Anleitung über den Umgang mit der Handschrift sowie die verwendeten textkritischen Zeichen.
Die Herausgeber behandeln die Handschrift mit der gebotenen Sorgfalt und Behutsamkeit. Die einzelnen Konvolute werden als solche vorgelegt, womit der Unentschiedenheit und Variabilität möglicher Kapitelfolgen Rechnung getragen wird.
Durch diese Art der Präsentation werden die Schnittstellen der Kafkaschen Konzeption deutlich, die anfängliche Ordnung der Niederschrift transparent.

Die Edition von Kafka's "Der Process" enthält auch eine CD-ROM. Diese digitale Version der Handschrift ist nur gemeinsam mit der gedruckten Ausgabe erhältlich. Sie dient primär der Information, ist ein Werkzeug für die Recherche. Der vollständige Zeichenindex ermöglicht die Suche nach Wortfeldern und Begriffen. Die Herausgeber betonen jedoch ausdrücklich den Vorzug der Buchform gegenüber der Bildschirmdarstellung. Durch das digitale Medium allein sei ein Verständnis der Handschrift nicht möglich. Vielmehr bedarf es der Rückkoppelung mit dem Buch, da "die Diktatur der in die Bildschirmtexte gesetzten Links, ihr verlockendes 'Immerfort-weg-von-hier'" die Assoziationskraft zerstöre.
Die CD-ROM ist gemäß ISO 9660 formatiert und sowohl auf PC als auch auf Mac lesbar. Voraussetzung für die Verwendung ist die Installation des Adobe Acrobat Reader 3.0 sowie - für den Gebrauch des Indexes - das Zusatzmodul Adobe Acrobat Search. Beide sind auf der CD-ROM enthalten und problemlos zu installieren.

Mit dieser neuen originalgetreuen Edition hat der / die an Kafka Interessierte den Text des Romans so in Händen - oder auf dem Schirm -, wie er ihn hinterlassen hat, frei von Eingriffen oder Zusätzen. Der informelle Charakter der Handschrift und die Schreibeigenheiten des Autors bleiben gewahrt. Dies mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig sein, wird jedoch durch die Authentizität des Textes mehr als aufgewogen.

Karin Fleisch
25. November 1997

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