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Elfriede Kern: Kopfstücke.

Roman.
Salzburg, Wien: Residenz, 1997.
207 S., geb.; öS 278.-.
ISBN 3-7017-1084-8.

Link zur Leseprobe

Nach dem Erzählband "Geständert" und dem Romanerstling "Etüde für Adele und einen Hund" legt Elfriede Kern mit "Kopfstücke" wieder eine surreal anmutende Geschichte vor.

Die in drei Kapitel aufgeteilte Odyssee der weiblichen Hauptfigur läßt keinen Zweifel darüber, daß es sich nicht im geringsten um eine Romanheldin im herkömmlichen Sinn handelt.
Im ersten Teil, dem "Waldstück", erzählt Yolande von den Umständen, die dazu geführt haben, daß sie in einer leerstehenden Hütte Unterschlupf suchen mußte: Ihr Bruder Hans, der seit einem Jahr mit der debilen Schwester Rosa eine inzestuöse Beziehung unterhält, schlug ihr im Streit mit der Axt ein Loch in die Schädeldecke. Auf der Flucht vor dem jähzornigen Holzfäller entdeckte Yolande die Hütte, von deren Besitzer Erwin sie als Attraktion an Freunde weitergereicht wird. Nicht genug damit, daß im Zuge dieses Versteckspiels ein neugieriger Jäger in einer Schlucht sein Leben lassen muß, wird der gutmütige "Zuhälter" von seinem "netten Zeitvertreib" verlassen.

Im "Winterstück" trifft Yolande auf einen von Depressionen geplagten Anwalt, der sie bei sich aufnimmt - nicht zuletzt aus Interesse an ihrer Kopfwunde, die im Normalfall tödlich hätte sein müssen. In der Hoffnung, Heilung von seinen depressiven Anfällen zu finden, wird Yolandes Gastgeber von der mythenumrankten Methode der Trepanation (Durchbohrung der Schädeldecke) dermaßen in den Bann gezogen, daß er selbst Hand an sich legt. Nach einem mißglückten ersten Versuch soll Yolande einen Rinderkopf als Übungsmaterial besorgen. Dabei beschließt sie, in Richtung Küste zu fliehen, wo auch das Kloster liegt, das sie nach dem Tod ihrer Mutter als Fünfzehnjährige verlassen mußte, um sich um die beiden Geschwister zu kümmern. Am Ende dieses Kapitels wird sie von der Polizei verfolgt, und ihr Weg ist von einem weiteren Toten gesäumt.

Das abschließende "Nachtstück" wird aus der Sicht der Wunderheilerin Cora geschildert. Diese will das verletzte Bein ihrer Geschäftspartnerin Yolande zur telepathischen Heilung des gelähmten Beines ihres früheren Lebensgefährten Arthur einsetzen.

Die atavistische Vision einer Opferung macht einen wesentlichen Aspekt von "Kopfstücke" augenfällig: Diese Odyssee läßt in Hinblick auf Handlungsort und -zeit vielerlei offen. Konkrete Bezüge bleiben im Dunkeln, während der ziellosen Irrfahrt einer Versehrten sämtlicher Raum der Erzählung gewidmet ist. Die Geschichte bewegt sich wie ein unkontrollierbarer Fluß durch eine Welt von absurden Begebenheiten. Auch der Schluß wartet mit keiner befriedigenden Moral auf, bis auf die, daß ein Loch im Kopf im gelungenen Fall befreiend wirken kann.

Claudia Holly
23. September 1997

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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