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Leseprobe: Fritz Krenn - "Cramer."

War es am Beginn ihrer Ausstellungstätigkeiten bloß eine örtliche Veränderung, wurde diese in der Folge zwischen uns zu einer Art beständiger Abwesenheit. Anfangs zwar nur für die Dauer einer Ausstellung. Ich erkannte die Trennung zu spät. Viel zu spät, wenn überhaupt in jener Zeit.
Nämlich in den darauffolgenden Telefonaten eine mich befremdende Distanz zu Alma. Nur noch das Wesentliche in kurzen Sätzen galt es zu besprechen. Wann sie wiederkomme, hänge von Terminen ab, und stets waren es entscheidende, ja geradezu äußerst wichtige Termine. Sie könne nichts Genaues sagen, dazu auffallend der fremde Tonfall. Wir beließen es dann oft dabei. (S. 35f.)

In der Folge begann sie, über viele ihrer Aussagen einen variantenhaften Schleier der Korrekturen zu legen. Sie trieb, je nach Laune, das Spiel immer öfter auf ihre Art. Veunsicherte ihn. Auch war sie an manchen Abenden voller Unruhe, stets bereit, beim kleinsten Geräusch mitten im Wort den Hörer aufzulegen. Rief ihn aber wenig später abermals an.
Ob er mit ihrem Rückruf gerechnet habe? Gänzlich hilflos erreichte sie ihn, nachdem er sich in seinen Balkonsessel gesetzt, die Beine auf einen Hocker gestreckt, seinen Blick auf die nächtlichen Dächer gerichtet hatte. Es wurden dann nur Ein-Satz-Informationen gewechselt, während das Bad, wie sie sagte, besetzt sei. Nur einen Satz, ein Wort brauche sie noch von ihm. Zumeist blieb auch er dabei im Flüsterton. Es wurde mehr gehorcht als geredet. Sie beschrieb, wo sie stand, was sie machte, ehe die Tür gegangen war. Daß sie ihr Haar offen trage. Schlafmantel, darunter Strümpfe. Nein, nichts sonst, ihre neuerliche Bestätigung seiner Vermutungen. Schließlich verhaltenes Lachen, und im Wissen, mit einem spielerischen Geheimnis die kommende Nacht besser ertragen zu können, wurde aufgelegt. Mit einer Verzögerung zwar, als läge im Hören ein wachsendes Bündnis. (S. 55f.)

Kennen Sie das, Schwester? Es fährt Ihnen jemand mit gleichnisloser Zartheit und Behutsamkeit über die Narben der Sinne. Und Sie stehen da, in völliger Unkenntnis. Ohne Erfahrung. Am Beginn noch keine Vorstellung von einer Welt im jähen Scheitern. (S. 93)

(c) 1997, Deuticke, Wien, München.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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