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Leseprobe: Alfredo Bauer - "Verjagte Jugend."

Kapitel 52: Roberts Reisen

Natürlich waren der Wald und die Landschaft hier anders als in den Alpen. Es gab nicht nur keine vom Verschönerungsverein gepflegten Wege mit Bänken zum Ausruhen, es fehlten der Gegend auch die ständigen Bewohner und daher Bauerndörfer, die eine Landschaft beleben. Sicher betrieb der Staat in diesem Naturparadies eine falsche Politik, denn als er den Nationalpark schuf, verbannte er aus ihm nicht nur die Großgrundbesitzer, sondern auch die kleinen Landwirte, deren Anwesenheit dem Tourismus nicht geschadet hätte. Im Gegenteil, sie hätten das Land sicher besser geschützt, etwa vor Waldbränden, als es der Wachdienst vermochte. Die wenigen Siedler, meist waren es Chilenen, die schon vor der Gründung des Nationalparks hier gelebt hatten, wurden systematisch vertrieben. Das ging leicht, denn sie hatten fast immer verabsäumt, sich die Dokumente ausstellen zu lassen, die ihnen den Besitz des Bodens, den sie seit Jahrzehnten bebauten, verbrieften. Einen ganzen Monat blieben Hans und Robert in jener herrlichen Gegend. Sie streiften umher und lernten das Land kennen, soweit der südliche Urwald mit seinem dichten Unterholz es gestattete. Viele Plätze erreichten sie nur mit dem großen Motorschiff, das auf dem Lago Nahuel Huapi verkehrte. "Modesta Victoria" hieß es, genau so, wie das viel kleinere Segelboot geheißen hatte, mit dem Francisco Moreno, der erste weiße Erforscher der Gegend, den Río Limay heraufgefahren war. Die Indios hatten ihn freundlich aufgenommen und ihm gerne ihr Land gezeigt. Sie konnten ja nicht ahnen, dass er, mit den so erworbenen Kenntnissen ausgestattet, später General Roca herschicken würde, der beinahe alle Indios umbringen ließ. Hans und Robert besuchten die Isla Victoria, die schmal und langgestreckt mitten im Nahuel Huapi liegt. Sie fuhren mit der "Modesta Victoria" zur Halbinsel der "Arayanes", so genannt nach einer Baumart, die eine beinahe rote Rinde hat. Und dann nach Puerto Blest, von wo aus sie, soweit das im Dickicht möglich war, in Richtung chilenischer Grenze vorstießen. Nach Villa Traful fuhren sie mit einem Autobus und blieben ein paar Tage bei Herrn Fried, einem deutschen Siedler. Auch nach Süden fuhren sie mit dem Bus und gelangten zu den letzten Ausläufern des Gletschers am Tronador, einem erloschenen Vulkan, dem höchsten Gipfel der ganzen Gegend. Robert vertiefte durch sein langes Zusammensein mit Hans Winzer seine politischen Kenntnisse. Doch auch seine Weltliebe wuchs durch den Aufenthalt in der gewaltigen Natur.
(S. 178 f)

© 2004, Edition Atelier, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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