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Leseprobe: Alois Brandstetter - "Schönschreiben."

Ich bleibe aber dabei, daß durch die alte Schreibart mit der Hand oder mit der Schreibmaschine ansprechendere Manuskripte oder Typoskripte zustande kommen. Und ich bezweifle, daß in Zukunft eines der großen Auktionshäuser, wie Sotheby's in London - ähnlich wie heute Autographen, Briefe oder handgeschriebene Partituren von Mozart, Kafka oder Rilke -, Datenträger oder Disketten anbieten und vor allem verkaufen wird können. Ich lasse mir nicht nehmen, das Schreiben selbst zu praktizieren und die Motorik der Hand, die dem Gehirn gehorcht, zu genießen. Beim Handschreiben, dem Freihandzeichnen gerät kein a und kein b wie das andere, jedes hat seine eigene Gestalt, wenn es auch einem Ideal folgt und eine Normvorstellung erfüllt. (S. 35)

Das "Schönschreiben" galt in meiner Volksschulzeit, auch über tausend Jahre nach den Lukas-Glossen, nicht nur als das Formideal, sondern auch als Leitlinie für den Inhalt. Inhalt, Rechtschreibung und Form waren jene drei Kriterien, nach denen gesondert beurteilt und benotet wurde. Man konnte also auf einem Gebiet gut, ja ein Spezialist sein und auf dem anderen ein Stümper. Inhaltlich gesehen mußte also ebenfalls schön geschrieben werden, und das hieß vor allem abwechslungsreich und bildhaft. Schreiben war vor allem Umschreiben. Wer einen Sachverhalt oder einen Phantasiegehalt so auszudrücken verstand, wie man es nicht erwarten konnte, war Meter (Maitre). (S. 94)

Was das religiöse Gehör und das Gehorchen betrifft, hat sich in letzter Zeit ein Gehörsturz ereignet, ein Rückfall ins Analphabetentum, so wie sich auch das sogenannte sekundäre Analphabetentum ausgebreitet hat, wie das der Zeitungsartikel vom Beginn belegt, und, um den Gedanken der amerikanisierten Jugendsprache wieder aufzunehmen, leiste ich mir als Zeitgeistkritiker und als eine zwar veröffentlichende, aber gänzlich unöffentliche und private Person meinen eigenen Kulturpessimismus, und ich sage uns, den Alten, und den Jungen, die nicht zuhören: Wir sind nicht okay. Ihr seid nicht okay.

(c) 1997 Residenz, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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