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Leseprobe: Jürgen Lagger - "Öffnungen"

# über Sichtbares (2)

So sei den Augen künftig eigentlich nicht mehr zu trauen, befindet L., zeigten sie doch offenbar beliebig/ je nach vorgenommener Einstellung verschiedene Bilder derselben umgebenden Welt: wenn Hintergrund nicht länger Hintergrund/ wenn Zwischenraum plötzlich nach vorne gerückt/ wenn irgendwann: die Trennung nicht nur umgekehrt sondern völlig aufgelöst, weil allvorhandene geometrische Unterteilungen generell untauglich sind zur verlässlichen Zustandsbeschreibung; was gäbe es dann noch zu sehen, an ordentlichen Bildern?

Laufmaschen plötzlich, in der Netzhaut.
Rasend schnell.

# über Sichtbares (3)

Und, so L. nach kurzer Pause weiter, und wenn aber der Zustand der Zwischenraumverrückung dermaßen leicht herstellbar, dann wäre mit dieser Erkenntnis/ mit dem Wissen um die Methode auch die Unbedarftheit bisheriger Sichtweisen dahin.

Für immer.

# über Zwischenräume (4)

Und ist vorgeblich Körperhaftes nicht, was es scheint/ ist, so L., was so ganz sich darstellt, innen bereits morsch/ von Gängen/ Netzen/ Zwischenräumen durchsetzt: wäre dann die Leere gar nicht, wie angenommen, zumindest stellenweise unterbrochen;
hänge die Leere also gesamtheitlich irgendwie zusammen.

Hohl bereits, alles, durch und durch.

# über Dichtungsmittel (3)

Dürfe man die Wirkung solch augenscheinlich kleiner Öffnungen auch nicht unterschätzen, so L., sollte man nicht dem Glauben unterliegen, die erzielbare Wirkung stehe in irgend einem ursächlichen Verhältnis zur Größe des Lochs; habe er, L., vor einiger Zeit schon begonnen aufzulisten, was es an verdeckten/ verborgenen Öffnungen gebe in seiner Wohnung/ an Installations- und Elektroleitungen/ Heizungsröhren/ Zu- und Abflüssen/ an längst vergessenen Schwachstellen, die Verbindungen herstellten nach außerhalb; habe er minutiös alles festgehalten/ aufgezeichnet: habe er richtiggehende Kartierungen vorgenommen, nach denen es nun systematisch vorzugehen gelte, beim Verschluss:

erwähnte Karte in einer Hand, schüttelte L. die Dose ungefähr 20mal, schraubt den Ventilhebel auf (der Ventilhebel ist aus durchscheinendem Kunststoff gefertigt, durch Niederdrücken des Hebels wird das Dosenventil betätigt und der Inhalt der Dose strömt durch einen ebenfalls durchscheinenden, circa 15 Zentimeter langen Kunststoffschlauch aus): einkomponentiger/ feuchtigkeitshärtender PU-Schaum mit hoher Formstabilität: zum Füllen von Hohlräumen/ Mauerdurchbrüchen, Befestigen/ Abdichten im Wand- und Dachbereich und zum Einschäumen von Rohren/ Installationen.

(S. 49 f)

© 2005, Literaturverlag Droschl, Graz-Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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