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Kurt Leutgeb: Mensch.

Roman.
Klagenfurt: Sisyphus, 2001.
168 S., brosch., öS 198.-.
ISBN 3-901960-08-2.

Link zur Leseprobe

Geld regiert die Welt und Geld stinkt nicht. Nach der Lektüre dieses Romans wird man diese Sätze mit einem anderen Bewußtsein aussprechen, denn hier erzählt das Geld völlig unverfroren selbst, was mit ihm los ist, welche Abenteuer es erlebt und was es von seinen hörigen Sklaven, den Menschen, hält.
Im Roman "Mensch" wird mit dem aufregenden Erzählmittel des "Different Point of View" aus der Sicht des Geldes das wahre Gesicht der Menschheit gezeigt. Der Plot besteht aus einer Verschwörungstheorie, flächendeckender Dummheit und monetärem Überlebenswillen. Anläßlich der Einführung des Euro soll am Kontinent der größte Betrug aller Zeiten über die Bühne gehen, je größer das vermutete Verbrechen angenommen wird, umso kleinkarierter werden die Kriminalbeamten, die zur Verhinderung eingesetzt werden.

Die Kriminal- und Verschwörungsgeschichte wird seitenverkehrt erzählt. Das Geld hat nichts anderes im Sinne, als sich möglichst viele Menschen untertan zu halten. Und zur Menschwerdung gehört es, selbst zu Geld zu werden. Die Eigenschaften des Geldes und der Menschen sind nämlich identisch, sonst könnte auch das Liebesverhältnis der beiden zu einander nicht so innig sein. In Kurt Leutgebs Roman werden die seitenverkehrten Dinge beim Namen genannt. Die Länder tragen die Namen ihrer Währungen, alles strömt nach Dollerika. Ein "Gel" ist das allgemeine Geld, wie "man" ein allgemeiner Mensch ist. Selbstverständlich wird zwischendurch Münz schwanger und kriegt einen Pfennig oder was als Kind. Alle Wörter mit "sehen" oder "sichten" werden zum Fokus: die Sendung "Tagesfokus" schauen, mit einem "Fokusvermerk" durch eine Absperrung gehen oder einfach jemanden anfokussieren sind Alltagserlebnisse der Münzen und Scheine, die sich zur Parade stets im Fach aufreihen. Durch die lustvolle Vertauschung von Begriffen und die kreative Umgestaltung eingeführter Wörter entsteht schließlich jener Hintersinn, der üblicherweise vom Glanz des Geldes verstellt wird.

Zusammengehalten wird dieser Kosmos absurder Wertvorstellungen vom Bösewicht Nemirnyi, der vordergründig in bedrohlich-mafioser Weise viel "Kohle" beiseite schafft, letztlich aber vom Drang beseelt ist, der Welt von seinem Geldhaufen als kreativem Akt zu berichten. Der Umgang mit Geld ist immer auch ein philosophisch-künstlerischer Akt.
"Mensch" ist ein Börsenroman, in dem die Münzen spekulieren und die Menschen verfallen wie Kurse. "Mensch" ist aber auch der begleitende Roman zur Einführung des Euro, in dem die zentripetalen Kräfte dieser zentralen Währung in den Vordergrund gestellt werden. Und obendrein ist "Mensch" ein grotesk-unterhaltsamer Kriminalroman mit internationalen Verstrickungen.

 

Helmuth Schönauer
19. September 2001

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