logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Kurt Lanthaler: Heisse Hunde.

Hirnrissige Geschichten und ein Stück Karibik.
Innsbruck: Haymon, 1997.
220 S.; geb.; öS 230.-.
ISBN 3-85218-251-4.

Link zur Leseprobe

Bekannt geworden ist der Südtiroler Autor und Rockmusiker ("Bethlehem Revival Band") Kurt Lanthaler mit seinen Krimis rund um den versoffenen und coolen Aushilfs-LKW-Fahrer Tschonnie Tschenett, der, ohne es zu wollen, stets aufs neue in die obskursten Fälle verwickelt wurde.

Bei "Heisse Hunde" handelt es sich um keinen Krimi, obwohl in den vielen kleinen Geschichten, die Lanthaler darin erzählt, auch sein erfolgreicher Serienheld Tschenett kurz auftritt. Und zwar in einem Theaterstück, das dem Sammelband seinen Namen gegeben hat: "Heisse Hunde, Hot Dogs". Jene wilden Hunde oder armen Würstchen - je nachdem, meist beides gleichzeitig - sind einige Arbeitslose, die sich täglich bei einem ziemlich heruntergekommenen Autobahnimbiß treffen, dort mit dem von seiner Zukunft in der Karibik träumenden Besitzer quatschen und trinken und schließlich auf ein windiges Geschäft einsteigen. Der großspurige Erfolgstyp Tempo möchte einen weiteren Imbiß finanzieren, und Scheck, ein arbeitsloser Lehrer, soll ihn leiten. Fiss will von all den Geschäften und Beziehungen am liebsten nichts wissen. Tschonnie Tschenett schaut kurz auf ein Bier vorbei. Und am Ende, nach vielen Dosenbieren, großen Hoffnungen und kleinen Verzweiflungen, wird Tempo als Betrüger entlarft und erhängt sich. Alle anderen beginnen, wo sie aufgehört haben: im vertrauten Alltag.

Lanthaler hat einen genauen und liebevollen Blick für das Unspektakuläre, für kraftvolle und sympathische Losertypen, die es immer wieder schaffen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich gesellschaftlichen Zwängen doch irgendwie zu entziehen. Fiss ist so einer, oder auch Franco Marini, der sich mit Gelegenheitsdiebstählen durchschlägt, bis er an den falschen Mann gerät ("Frohes neues Jahr").

In den meisten anderen "Hirnrissige[n] Geschichten" - so die Sammelbezeichnung der ersten Texte - ist es jedoch gerade das Spektakuläre, das der Autor dann aber unaufgeregt, kühl und distanziert erzählt. Geschichten, die man vom Thema auch in der Lokalzeitung unter "Vermischte Nachrichten" oder "Seltsame Todesfälle" finden könnte. Wie etwa nach einer Betriebsfeier der Chef und einige Mitarbeiter ein Karussell finden, es anstellen und aufspringen, aber keiner es mehr abstellen kann. Als nach Stunden jemand kommt, sind zwei der fünf tot, der Rest wahnsinnig.

Lanthaler spürt dem Grauen nach, das mitten im ganz Alltäglichen, in der sicher geordneten Welt lauert, bis hin zu Krankengeschichten, die nicht nur die Risse in den Gehirnen, sondern vor allem auch solche in unserer Welt nachzeichnen. Etwa in der Ortsbeschreibung "Pigenò": Objektiv, unparteiisch und an Tatsachen orientiert, schreibt der Erzähler die Geschichte eines Mannes nieder, der sich gegen den geplanten Straßenbau in seinem Dorf wehrt, als Krankenbericht. Allerdings schimmern unter diesem scheinbar so objektiven Text deutlich Machtverhältnisse durch. Wer hat den Bericht in Auftrag gegeben, jene, die vom Bauvorhaben profitieren? Und: reagiert der als verrückt Abgestempelte nicht ziemlich vernünftig, indem er versucht, dem Sinn dieses Projekts auf den Grund zu gehen?

Texte, die Fragen offen lassen, sie anregen. Insofern kann man Kurt Lanthalers Geschichten, die neben seiner Arbeit als Krimiautor entstanden sind, auch als im guten Sinn engagierte Literatur verstehen, von jemandem, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und trotzdem was zu sagen hat.

Karin Cerny
11. November 1997

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Sehr geehrte Veranstaltungsbesucher
/innen !

Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Sommer und freuen uns, wenn wir Sie im September...

Schreibworkshop für Mädchen von 10 bis 15 Jahren im Literaturhaus Wien

Do, 29.08.2019 10.00 bis 13.00 Uhr Eingang Seidengasse 13 Du schreibst gerne Geschichten,...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
OUT NOW - flugschrift Nr. 27 von Marianne Jungmaier

Eine Collage generiert aus Schlaf und flankiert von weiteren auf der Rückseite angeordneten...

Literaturfestivals in Österreich

Bachmannpreis in Klagenfurt, Tauriska am Großvenediger, Ö-Tone und Summerstage in Wien – der...