logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Peter Landerl - "Blaustern."

Ich habe meine eigenen Regeln. Nach denen lebe ich. Die sind mir wichtig. Scheiß auf die Gesetze, auf die Demokratie, der Kapitalismus ist die Diktatur des Geldes, kannst du überall lesen, nur akzeptiert jeder die Gesetze des Kapitalismus, weil alle miteinander geizig sind und hoffen, durch den Kapitalismus zu noch mehr Geld zu kommen. Weißt du, ich verachte die Menschen in den Büros. Jeder einen Sessel, einen Schreibtisch, eine grüne Pflanze, aber das Kalenderblatt darf nur der Vorgesetzte herunterreißen. Sie haben keine Rechte, kämpfen nicht, weißt du, alles ist ihnen egal, Hauptsache, sie kriegen ein wenig Geld, damit sie was zum Essen haben und fernsehen können. Alle Feiglinge.
- Du redest Scheiße. Zuerst erklärst du mir, daß man keine Karriere machen kann, daß alles Bemühen sinnlos ist, jetzt sagst du, daß du die, die arbeiten, verachtest. Ich verstehe dich wirklich nicht.
- Ich weiß es ja auch nicht, mir ist das alles egal. Es ist egal, was ich sage, was ich singe, was ich tu. Ich will nur glücklich sein. Ich will mich nicht um andere kümmern, ich will alleine sein, ich will nicht über den Sinn des Lebens nachdenken. Erinnerst du dich an den Film Smoke? (S. 43)

Ich drückte die Pickel aus, aber es blieb Eiter unter der Hautoberfläche, sodaß sich wieder neue Pickel aus den alten bildeten. Kleine Narben blieben zurück. Ich ließ mir die Haare lang wachsen, um mein Gesicht zu verdecken. Die Arzneien verschlangen große Teile meines Taschengeldes.
Am schlimmsten waren die Morgen, wenn ich aufstand und in den Spiegel schaute und neue Pickel entdeckte. Ich schämte mich meines Gesichts und fühlte mich entstellt. Ich wunderte mich, wenn ein Mädchen mit mir sprach, dem Pickelgesicht. Ich hatte Angst vor körperlicher Nähe, vor Berührungen, hatte Angst, daß sie mich beschimpfen würden, die, die reine Haut hatten und nicht verstanden, daß Akne eine Krankheit war und nicht auf mangelhafte Reinheit zurückzuführen war.
Dann, als die Pickel langsam kleiner und weniger wurden, bekam ich Abszesse. Zweimal am Kinn, dann hinter dem Ohr. Ich mußte wieder Antibiotika schlucken und Zugsalbe auftragen, damit das Eiter an die Oberfläche trat. Die Hautärztin schnitt mir die Furunkel mit einem Skalpell auf und wischte das Eiter-Blut-Gemisch mit großen Wattebäuschen auf. (S. 93)

© 1998, Edition Pangloss, Wels.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
"HOTEL und Literatur" – Felicitas Hoppe | Doron Rabinovici | Regina Hilber

Di, 26.02.2019, 19.00 Uhr Lesungen & Diskussion auf dem Literaturhaus-SOFA Bereits zum...

Literaturhaus-Textwerkstatt

Do, 28.02.2019, 18.00-21.00 Uhr Schreibwerkstatt für Autor/inn/en von 18 bis 26 Jahren Die...

Ausstellung
Ein verborgenes Netzwerk – Zu Gast bei Alois Vogel von 1953 bis 1966

30.01.2019 bis 18.04.2019 In Alois Vogels Haus in Pulkau fand sich eine kleine Archivbox mit über...

Tipp
flugschrift 25 von Ruth Weiss

Im Oktober ist die Jubiläumsausgabe der flugschrift erschienen. Sie wurde von der in den USA...

Literaturfestivals in Österreich

Kennen Sie die "Wortspiele" im Jazzclub Porgy&Bess? Die Rauriser Literaturtage? Die Festivals...