logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Ludwig Laher: Wolfgang Amadeus junior: Mozart Sohn sein.

Innsbruck: Haymon, 1999.
175 S., geb.; öS 248.-.
ISBN 3-85218-304-9.

Link zur Leseprobe

Nach dem Erscheinen des zweiten Teils der Triologie über unbekannte Künstler des frühen 19. Jahrhunderts ist man als zustimmender Leser geneigt, Ludwig Lahers Texte zu einen eigenen Genre zu erklären. Ludwig Laher beschäftigt sich nämlich mit dem Schicksal von Second-Hand-Genies.

Im Mittelpunkt des ersten Romans "Selbstakt vor der Staffelei" steht der fast völlig vergessene Maler Janssen, der seinen Höhepunkt im Transferieren von Papstporträts zu Papst-Ikonen erlebt.
Im soeben erschienenen Roman "Wolfgang Amadeus Junior: Mozart Sohn sein" geht es um das verrückte Schicksal, namensgleicher Sohn eines genial vermarkteten Genies sein zu müssen. Laher erzählt das Schicksal des Mozart-Sohnes mit zurückhaltendem, aber stets mit dem Helden sympathisierenden Ton. Viele Informationen werden in den Erzählstrang geschmuggelt, sodaß sich der Leser nicht blamiert fühlen muß, wenn er die wahren Zusammenhänge erst durch den behutsam moderierenden Erzähler erfährt. So hat ein Teil Polens etwa zur Zeit, als Mozart in Lemberg lebte, Kongreßpolen geheißen, später hat man Mozarts Sohn beiläufig auch den Polen-Mozart genannt.

Was soll ein Mozart sonst tun, außer komponieren? Mit Seufzen berichtet der Autor vom Stellenwert der Musik des Juniors im Universum der allgemeinen Musikgeschichte, die sorgsame Noten-Pflege der Japaner wird erwähnt und das verstockte Kirchenherz in Salzburg. Die benützten Quellen werden immer mitreferiert, alle Vermutungen und Kompositionen zur Biographie sorgfältig mit der Gegenwart verknüpft.

In diesen biographischen Erzählstrom sind fünf Zwischenspiele installiert, die markante Vater-Sohn-Beziehungen der Weltliteratur zur Sprache bringen. Selbstverständlich darf die Beinahe-Opferung von Abrahams Sohn nicht fehlen, mit der gleichen dramatischen Verve wird auch die Opferung des debilen Habsburger-Franz nach der gescheiterten Revolution inszeniert, und in durchaus ironischer Sicht geht es um die ewigen Pannen beim Benennen des Nachwuchses, wenn dieser in Geschlecht oder Geburtstermin nicht den Erwartungen der Produzenten entspricht.

Der jeweilige Einsatz der Biographie nach einem Zwischenspiel geschieht immer mit einer harten Nadel: Monumentale Statements zur Kunst zeigen dem Junior-Mozart seine Erbärmlichkeit und dem Leser die Grenzen des oft gehandelten Genie-Begriffs.
"Der Begriff des Kunstwerks impliziert den des Gelingens. Mißlungene Kunstwerke sind keine, Approximationswerte der Kunst fremd, das Mittlere ist schon das Schlechte. [...] Theodor W. Adorno" (S. 147)
Dieses Wechselspiel zwischen gigantischem Anspruch und unendlicher Mühsal in der Alltagspraxis macht aus dem Junior-Mozart eine Art Second-Hand-Genie, es ist günstig, liegt auf dem Weg und ermuntert durchaus, ein Leben in der zweiten Liga zu bestreiten.

Ludwig Lahers Mozart-Junior-Buch ist eine Freude für Musikliebhaber und Fans von guten Biographien, es ist aber darüber hinaus eine wunderbare Hommage an die "Künstler im Verschollenen". Je nach Mentalität läßt sich aus dem Erzählwerk generelle Genugtuung oder Ermunterung für den Selbstaufruhr herauslesen.

Helmuth Schönauer
3. November 1999

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
LUFT | ATEM | LABYRINTH

Mi, 22.05.2019, 19.00 Uhr Poetik-Tanz-Performance Marion Steinfellner: Text, Sprache, Tanz,...

Protokoll, Poesie, Pose – Zum Wandel des Tagebuchs in Form, Struktur und Zielsetzung

Do, 23.05.2019, 10.00–18.00 Uhr Symposium mit Vorträgen & Podiumsgesprächen Tagebücher sind...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....