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Leseprobe: Florjan Lipus - "Die Beseitigung meines Dorfes."

Zur Stunde harrt das Dorf noch seines Toten; so ein Dorf ist ärmer dran als ein Kirchtag ohne Getändel und Tand. So ein Dorf verliert seinen Ruf, trocknet und verdorrt, gerinnt zu Klößen und Klumpen, verdichtet sich zu Aschenlicht; ein solches Dorf verliert sein Gesicht, ist nur noch Torf und Schorf, ein solches gesichtsloses Dorf wird von Dörfern mit Gesicht mit Leichtigkeit überholt und überrundet, es fällt zurück, und der Rückstand wächst, die Dörfer mit Arsch und Gesicht lassen es ein für allemal hinter sich. Ein Todesfall zur rechten Zeit versetzt das Dorf in Heiterkeit. Ein Dorf, das zu lange ohne Toten bleibt, findet nie wieder Anschluß; noch kommenden Geschlechtern kreidet man es im voraus an.
Am Anfang standen die Aussichten nicht schlecht: Das Dorf pulste nach Maßgabe eines Durchschnittsdorfes, vermählte und vermehrte sich in angemessener Zahl, zarte Bande wurden genugsam gestiftet und zur Genüge wieder vergiftet; Zwist gedieh und vermeidliche Nachrede, Unfälle, Händel, weltliche Mätzchen, zum Teufel! und fromme Faxen im Übermaß. Dann verwirrte und verzwirnte sich der Dorffaden mit einemmal: Als müßte etwas Mächtigeres an die Reihe kommen, häuften sich die Happen, und die Ereignisse, die das Dorf aus der Bahn geworfen hätten, ließ auf sich warten, das Dorfgeklapper blieb ohne Nachschubwasser; die zotigen Zungen hingen den Dörflern aus den Mäulern, weil sie sich allezeit mit Aufgewärmtem zu begnügen hatten. Von Tag zu Tag schritt der Verfall fort, schrumpfte und schrumpelte das Dorf, harrte bei Altbackenem gelangweilt auf ordentlichen Nachschlag. (S. 5f.)

(c) 1997, Wieser, Klagenfurt.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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