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Der Tod des Autors (reloaded) – Eine Kooperation der schule für dichtung mit dem Literaturhaus Wien


Johannes Ullmaier, Foto: G. Weinell

TRAUMAWIEN

Sandra Huber, Foto: Kristy Ryan

Thomas Curie, Foto: Research Gate

Fr, 26. bis Sa, 27.09.2014 

Festival | konzeptuelle Literaturen, Lectures, Performances, Diskussionen | teilweise in englischer Sprache"

Writing is 50 years behind painting", behauptete 1959 Brion Gysin, Miterfinder der literarischen Cut-up-Technik. "Brion Gysin might still be right", befürchtete 2011 Kenneth Goldsmith, unermüdlicher Propagandist von "uncreative writing" und x anderer Methoden, herkömmlichem Erzählen den Garaus zu machen. Die den Markt bedienende und beherrschende Idee vom Autor als Originalitäts- und Kreativitätskraftwerk nistet weiterhin fest in den Köpfen eines Großteils der Produzent/innen und Leser/innen.

Dass "der Tod des Autors" (Roland Barthes, 1968) bzw. dessen "Verabschiedung zugunsten einer universalen Intertextualität" (Julia Kristeva, 1967) vom breiten Publikum bis heute nicht zur Kenntnis genommen wird, mag einerseits wohl der Scheu vor Experimentellem geschuldet sein, anderseits sicher aber auch der alten bildungsbürgerlichen Forderung, dass ein Autor etwas zu sagen habe, damit der Leser etwas zu verstehen bekomme.
Unsere Veranstaltung wird zeigen, dass die Scheu so unbegründet ist wie die Forderung obsolet. Neue konzeptuelle Literatur ist von blutleerem Formalismus soweit entfernt wie Friederike Mayröcker von Rosamunde Pilcher, und ihre lustvoll ausdifferenzierten Schreib-, Sprech- und Denk-Positionen schreien nach dem Plural
"Literaturen" – und darüber hinaus: denn viele postkonzeptuelle Autor/innen verorten sich selbst lieber im Kontext von Performance, Transmedia und Netz-Aktivismus. In diesen Feldern scheint das prozesshafte, kombinatorische und entgrenzte Schreiben besser aufgehoben als zwischen Buchdeckeln. Und wenn einer wie der kanadische Konzeptualist Christian Bök gar – wie in seinem Projekt The Xenotext Experiment – einem extrem resistenten Bakterium namens Deinococcus radiodurans die DNA-Sequenz eines seiner Gedichte injiziert, damit dieses nicht nur jeden Atomschlag überdauern, sondern sich obendrein noch quasi autorenlos fortpflanzen kann, dann erübrigt sich jede weitere Frage nach dem schreibenden Subjekt.
Aber auch in Lectures sollen die alten Fragen nach Autorenschaft neu gestellt und die Übernahme der aus der Bildenden Kunst und Musik stammenden Strategien der Entwendung – Appropriation, Sampling, Remix etc. – einer kritischen Prüfung unterzogen werden.
Im Wissen, dass dem "Ich" auch mit größtmöglicher Dekonstruktion nicht zu entkommen ist und alle Texte in "Zwangslagen des Verstehens" (Oswald Wiener) münden, freuen wir uns auf paradoxe Diskurse als "fröhliche Wissenschaft", ganz im Sinne ihres Schöpfers Friedrich Nietzsche und dessen herrlichem Aphorismus zum Ausschneiden: "Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese."  Fritz Ostermayer

Fr, 26.09.2014
17.00 Uhr
Begrüßung: Robert Huez (Literaturhaus Wien)
Grußworte: Thomas Blimlinger (Bezirksvorsteher Wien Neubau)
Julia Danielczyk (Literaturreferentin der Kulturabteilung der Stadt Wien)
Robert Stocker (Leiter der Abteilung Literatur und Verlagswesen im Bundeskanzleramt)
Eröffnung: Fritz Ostermayer (Direktor der schule für dichtung, Kurator von Der Tod des Autors)

18.00 Uhr Johannes Ullmaier (Literaturwissenschaftler, Musiknarr/Mainz) – Grundsatz-Lecture

19.00 Uhr Traumawien Luc Gross / Peter Moosgaard (literarisch-aktionistische Netz-Infiltrierer/Wien) /  – Performance

20.00 Uhr Sandra Huber / Thomas Curie (experimentelle Autorin / Schlafforscher / Lausanne, Berlin, Vancouver) – Performance/Lecture (in engl. Sprache) Poetry of Sleep/Science of Sleep*

21.00 Uhr Diskussion mit allen Mitwirkenden des Abends

Johannes Ullmaier, geb. 1968, arbeitet an der Uni Mainz; Mitgründer und -herausgeber der Zeitschrift testcard; Buchveröffentlichungen: Yvan Golls Gedicht Paris brennt (1995); Pop shoot Pop (1995); Kulturwissenschaft im Zeichen der Moderne (2001); Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur (2001); (Hg.) Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit (Suhrkamp, 2007).
TRAUMAWIEN
wurde im April 2010 von Luc Gross, Peter Moosgaard und Julian Palacz gegründet und publizierte seitdem rund 30 Titel digitaler Konzeptliteratur, darunter Klassiker wie American Psycho.http://traumawien.at/prints/american-psycho/.
2012 wurde die Amazon Kindle-Direct-Publishing-Plattform komplett automatisiert mit eBooks geflutet, welche, im Layout klassischer Dramen aufbereitet, ausschließlich aus YouTube-Kommentaren bestanden. http://www.technologyreview.com/view/428175/ebooks-made-of-youtube-comments-invade-amazon-kindle-store/. 2013 entwickelte TRAUMAWIEN einen Algorithmus um illegale eBook Torrents mit Werbeslogans zu kontaminieren, um die Bücher dann wieder zu disseminieren. http://www.litaffin.de/2014/06/wie-macht-man-aus-piraten-wieder-konsumenten/ "Die Karaoke Rave Night von Traumawien ist mit Sicherheit die radikalste Veranstaltung bei dem Literaturfestival Prosanova. Ein Experiment, auch für die Veranstalter." (Deutschlandfunk, 2014)
Sandra Huber is a Swiss-Canadian writer of poetry and fiction. Her project *Assembling the Morrow: A Poetics of Sleep* will be coming out with Talonbooks (fall 2014) and currently travels with Pop-Up Lab Switzerland. http://www.popuplab.org/arts/science-of-sleep-poetry. It stems from a 9-month residency at the Paul Franken sleep laboratory at the Center for Integrative Genomics in Lausanne, via an Artists-in-Labs award. Sandra is interested in the links between consciousness and technologies of writing. She resides in Berlin.
Thomas Curie has a master's degree from the Institute for Genetic and Cellular and Molecular Biology in Strasbourg and a PhD in neurobiology and developmental biology from the Pasteur Institute in Paris. In 2008, Thomas joined the laboratory of Paul Franken at the Center for Integrative Genomics in Lausanne, where he works on the role of circadian genes in the homeostasis of sleep.

* Die Präsentation Science and Poetry of Sleep der Künstlerin Sandra Huber basiert auf ihrer Swiss artists-in-labs Residency (ZHdK/ICS) in der Forschungsgruppe von Prof. Paul Franken am Center for Integrative Genomics der Université de Lausanne und ist Teil des Projekts State of the Art - Science and Art in Practic, das vom Schweizer Nationalfond und dessen Förderungsinstrument Agora finanziert wird. www.popuplab.org

(Eine Kooperation von schule für dichtung und Literaturhaus Wien mit freundlicher Unterstützung durch: Université de Lausanne, Bezirksvorstehung Wien Neubau im Rahmen des Kulturherbstes Neubau, Kulturabteilung der Stadt Wien/Referate Literatur und Wissenschafts- und Forschungsförderung, Bundeskanzleramt Kunst | Kultur)


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