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Lisa Mayer: Du allein beschenkst die Diebe.

Innsbruck-Wien: Haymon Verlag, 2005.
92 S.; geb.; Eur 14,40.
ISBN 3-85218-473-8.

Link zur Leseprobe

"Du allein beschenkst die Diebe" heißt der neue, bei Haymon erschienene Lyrikband der gebürtigen Tirolerin Lisa Mayer. 1998 hat sie den Salzburger Landeslyrikpreis gewonnen, 1999 (ebenfalls bei Haymon) den Gedichtband "Auf den Dächern wird wieder getrommelt" veröffentlicht.
Lisa Mayer schreibt schöne Gedichte. Dieser Satz sagt viel, aber auch wenig. Warum sind sie schön? Wenn das so einfach zu erklären wäre! Sie sind harmonisch, weich und sanft, haben feinen Rhythmus und zarte Melodie. Ein bisschen Natur, viel Gefühl, dazu Phantasie, so der Mix von Mayers Wohltutrank.
Was dagegen sind die Gedichte nicht? Sie sind nicht modern - im Gegenteil erinnern sie in Thema und Form an Gedichte, wie sie in den harmoniesüchtigen 1950er Jahren geschrieben wurden, ich denke etwa an die Steyrerin Dora Dunkl, denke an konservative Literaturzeitschriften der Nachkriegszeit, wo Ähnliches zuhauf publiziert wurde. Mayers Gedichte sind weder politisch noch zeitkritisch, nicht experimentell, nicht gewagt, nicht hässlich. Sie schreien nicht auf, verstören nicht, zeigen keine Schattenseiten, keine Deformierungen, keine negativen Gefühle, sie sind zeit- und uferlos, stehen nur für sich und regen daher kaum zu Reaktionen an. Mag das negativ klingen - schön sind sie!

Eindeutigen Sinnzuschreibungen verwehrt sich Mayers Lyrik mit Erfolg. Bei einigen Gedichten wird es auch nicht unbedingt nötig sein, Sinn zu destillieren, bei anderen hat man aber das Gefühl, bei der Lektüre Unverbindliches zu konsumieren.
Mayers Lyrik ist in die Natur eingebettet, Mensch, Fauna und Flora scheinen im Einklang. Es gibt ein Ich und ein Du, weiter aber reichen die Betrachtungen nicht. Zentral ist das Motiv der Suche. Es wird nach Urzuständen, nach einem archaischen Urgrund, der verloren ist, geforscht: "Ich frage das Tote Meer / Warum schläfst du / mit offenem Auge / Warum schläfst du / in diesem Konzentrat / aus heiligen Träumen / während ich wache."
Die Urkräfte der Liebe schaffen eine rosa Welt, selten ist sie grau, nie gefährdet: "Es regnet ein Lied / ins blitzende Reisig / dein Haar / wächst aus meinem / weiches Geflecht / über endlose Rücken."
Solche Verse stellt man sich langsam und leise gelesen vor, bei Kerzenlicht im abgedunkelten Zimmer, auf einem Bett liegend und lauschend. Auch aus folgenden Versen triefen (kitschig?) die Gefühle: "Das Löwenjunge leckt / meine Milch / die Stadt tanzt um eine Platane." Oder: "Der Himmel / bricht lautlos ein / unterm Gewicht / der Zärtlichkeit."

Mayer geht es um Transformationen, Übergänge, um Stimmungen und darum, wohlige Atmosphären zu erzeugen (ist sie doch ausgebildete Diplomlogopädin!). Gelungen ist folgendes Abendbild: "Stille wächst die Stiegen hinauf / abgewetzt glänzen / Türgriff und Schwelle / Der Tag wird beiläufig / ins Handtuch gewischt / Fernsehen und später / barfuß über das Traumseil."
Nahe an der Banalität entlang schrammen dagegen die Verse des Gedichts "Regen 5": "Zwischen Regenschnüren / dem Faltwasser / aufgestiegener Meere / die unerklärliche Trockenheit / der Wüsten."
Manchmal wird zusammengefügt, was nicht recht zu passen scheint: "Auf meinem Kissen hockt eine Löwin / wenn ich wach liege / unter der Decke frühen Schnees / Die langsamen Wirbel der Nacht / lehren mich in Wörtern tanzen / Ich schmecke die Röte in Stoffen / als glühten reife Beeren in der Hand / ich schreibe ein rotes Gedicht / aus den Dächern fremder Leben". - Das scheint willkürlich, ohne innere Notwendigkeit zusammengesetzt.

Mayers schmaler Gedichtband erzählt von ewigen Abläufen, was sich auch in der repetitiven Form spiegelt: Ein Gedicht geht fast übergangslos ins nächste über, Titel und erste Verszeile verschmelzen, die Verse gehen im Kreis, Motive wiederholen sich, Formulierungen, Wörter kehren mehrmals wieder. Das funktioniert beim Lesen anfangs gut, liest man aber zu viele Gedichte in einem Stück, verschwimmen sie zu einer konturlosen Leier. Das ist die Gefahr von Mayers lyrischem Konzept: Dass zu viel Harmonie in Form und Inhalt beim Leser zur Negation führt: Ein Kuchen kann auch zu süß sein.

 

Peter Landerl
8. Juni 2005

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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