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Anna Moll: Bellini, Bellini! Mord an der Scala.

Roman.
Book on Demand (Deutschland), 2001.
160 S., brosch.; öS 198.-.
ISBN 3-8311-2388-8.

Link zur Leseprobe

Anna Moll, nomen est omen, ist Musikerin. Sie ist aber auch diplomierte Sprachwissenschafterin und Germanistin. Mit ihrem ersten Buch "Bellini, Bellini!" reiht sie sich seit kurzem nun unter die Autoren.
Anna Moll ist ein Glückskind. Von klein auf regnet es Preise - sie gewinnt etliche Preise bei "Jugend musiziert" und mehrmals das Stipendium der Alban Berg Stiftung. Dann, 1999, entscheidet die 22-jährige das österreichische Finale der "Honeywell Futurist Competition" mit einem Essay über "Prinzipien der Kulturtechnologie" für sich. Selbstverständlich schließt Anna Moll die erste Konzertfachprüfung für Violoncello mit Auszeichnung ab. Sie spielt mit Wiener Philharmonikern für eine CD-Uraufnahme. 2000 schließt Anna Moll ihr Studium der Sprachwissenschaft und Germanistik, mit Auszeichnung versteht sich, ab.
Anna Molls Lebenslauf füllt sich. Dabei ist die Vielbegabte erst 24 Jahre alt.

Mit "Bellini, Bellini!" betritt Anna Moll die Literaturbühne mit einem Krimi.
Krimis waren bis vor wenigen Jahren kaum beachtete, wenn auch gern gelesene Nebenprodukte der Literaturszene. Heute tritt Anna Moll gegen eine beachtliche und selbstbewusste Konkurrenz an. Wolf Haas führt in Österreich den Reigen an. Sein neuestes Buch "Wie die Tiere" sorgt für Auflagenrekorde und Hochstimmung bei Rowohlt. Alfred Komarek, Jürgen Benvenuti, Eva Rossmann und der junge Thomas Glavinic folgen Wolf Haas auf den Fuß, um nur ein paar österreichische Autoren zu nennen, ganz zu schweigen von den hochkarätigen Krimis, die aus dem britischen und skandinavischen Raum zu uns kommen.
Die Konkurrenz ist groß und, um es gleich vorweg zu nehmen, Anna Moll kann das Tempo nicht halten. Dabei liegt ihrem Krimi eine reizvolle Idee zugrunde. Eine junge Frau namens Lilly Moser erlebt ausgerechnet in der Wiener Staatsoper einen Zeitsprung und wird unversehens in die intrigante Opernwelt des italienischen Ottocento versetzt. In den Gängen der Mailänder Scala trifft Lilly auf den ehrgeizigen Donizetti, den blutjungen Verdi und Meister Rossini. Mit Vincenzo Bellini bahnt sich sogar una piccola romanza an.
Die Uraufführung von Bellinis berühmtester Oper "Norma" steht unmittelbar bevor. Die Stimmung ist aufgeheizt, das italienische Blut kocht. Dunkle Kräfte, mächtige Intriganten und eine verschmähte Geliebte versuchen die Premiere zu verhindern. Lilly Moser sitzt mitten im Hexenkessel und tut das Ihre, um den "Norma"-Abend über die Bühne zu bringen. Anna Molls Krimi kippt dabei ungewollt in eine opera buffa.

Mit eingestreuten Italienischbrocken pinselt Anna Moll ein wenig Lokalkolorit auf die Szenerien. Ihre Figuren heben sich trotzdem kaum von ihrem trüben Hintergrund aus Klischees, zweidimensionaler, blasser oder unglaubwürdiger Charakterisierung ab. Nur gelegentlich blitzt eine gelungene originelle Figur auf wie die des Impresario Barbaja, eines monströsen, unbefriedigten und unstillbar genusssüchtigen Fleischbergs.
Auf dem Höhepunkt der Verwicklungen packt Anna Moll ihre Lilly Moser und setzt sie genauso plötzlich, wie sie sie in die Vergangenheit gebracht hat, wieder ins 21. Jahrhundert und in die Wiener Staatsoper. Die Opernbesucher beklatschen begeistert eine soeben zu Ende gegangene Aufführung von Vincenzo Bellinis "Norma". Lilly Moser reibt sich verwirrt die Augen und auch der Leser fragt sich ein wenig ratlos: "Was zum Teufel war jetzt das?".

Anne Zauner
26. September 2001

Originalbeitrag

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