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Felix Mitterer: Mein Ungeheuer.

Hörbuch.
1 CD (56 Min.).
Innsbruck: Haymon, 2001. öS 248.-.
ISBN 3-85218-340-5.

"Solche Paare hat's schon mehr gegeben. Gerade in dieser Generation, 1920 herum geboren, die auch Entsetzliches mitgemacht hat".
Felix Mitterer schreibt über den Hass zwischen einem Mann und einer Frau, die unversöhnlich aneinandergeschweißt sind - bis dass der Tod sie scheidet.
Das Stück könnte überall spielen, so der Autor. Er setzt jedoch den entscheidenden Nachsatz hinzu: "auf dem Land". Besonders gut kann es natürlich in Tirol spielen, dem katholischsten aller österreichischen Bundesländer, wo der "liebe Herrgott" sich noch heute gelegentlich zeigt.

Sechzig Jahre muss Rosa warten, bis der Tod sie scheidet, aber schließlich kommt er doch und holt den alten Bleim. Eine letzte Zigarette ist ihm zum Verhängnis geworden. Rosa sieht tatenlos zu, oder vielmehr weg, als ihr Mann auf der Kuchlbank buchstäblich in Flammen aufgeht. Aber er hat's ja verdient, tausendmal verdient.
Rosa kann nach sechs Jahrzehnten qualvoller Ehejahre endlich aufatmen. Er ist tot, der brutale Schläger, der Säufer und Betrüger. Im Wirtshaus hat er den Fotten gespielt, da war er die Seele der Stammtischbrüder. Aber Zuhause. Den Sadismus hat er sich für Zuhause aufgespart. Jetzt ist er tot. Elend verreckt.Und endlich kann das Glück Einkehr halten...

Halt, halt, nicht so schnell. Felix Mitterer lässt die Rosa nicht so einfach davonkommen. Zur Hölle gehören bekanntlich zwei. Er schickt der Unglücklichen einen Fluch an den Hals. Und das eigentliche Drama beginnt erst jetzt.
Der alte Bleim wird zum Wiedergänger. Als wurmzerfressenes, halbverkohltes Ungeheuer kehrt er zurück. Seine Gespensterarme, an denen sich die Maden groß und dick fressen, umkrallen die tödlich entsetzte Rosa.
Den Gespensterbleim kann sie nicht mehr ignorieren, so wie sie den alten Säufer in den letzten Jahren ignorieren konnte. Ihr gebündeltes Schweigen prallt an diesem Fleisch gewordenen Alptraum ab. Angst und Entsetzen lähmen Rosa. Sie kann sich nicht einmal mehr in ihre Kammer flüchten. Das Ungeheuer ist überall. Es ist voll Wut und Schmerz. Rosa schläft nicht mehr, sie isst nicht mehr. Aus allen Ecken grinst die schreckliche Fratze. Nachts zerwühlt der Tote ihr Bett.

Vor dem Abgrund beginnen die Unglücklichen nach unendlich langem, versteinertem Schweigen - fast zu spät - zu reden. Anfangs werfen sie sich ihren Hass, die Wut, Verletzungen und Enttäuschungen an den Kopf. Allmählich schleicht sich jedoch ein neuer Ton ein, etwas wie Verständnis und echtes Bedauern dämmert auf. Rosa und Bleim erinnern sich an die wenigen Augenblicke, als sie glücklich waren. Am Beginn ihrer Beziehung konnten sie einander eine ganz kurze Zeitspanne Trost und Freude geben. Aber der graue Alltag, Armut und Suff, viel Arbeit, aber auch schwere Narben aus der Kindheit, wurden den beiden schnell zum Verhängnis. Die Liebe verkehrte sich in Hass, das Leben wurde ein wahrhaft christliches Jammertal.

Schließlich lässt Felix Mitterer Rosa und Bleim doch noch von der Schaufel. Den beiden gelingt das Unmögliche. Ihr Unglück war zu tief, um sich auf ewig in Anklagen neu beschwören zu lassen. Sie sind zu alt, zu tot, zu ausgebrannt und erschöpft. Am Ende versöhnen sie sich und finden endlich Ruhe.

Mitterer hat sein "Ungeheuer" ursprünglich als Hörspiel konzipiert. Es wurde 1999 vom ORF Studio Tirol unter der Regie von Martin Sailer ausgestrahlt. Peter Mitterrutzner und Julia Gschnitzer sind perfekte Besetzungen als hassliebendes Ehepaar. Die bewährten Mitterer-Schauspieler ziehen alle Register ihres Könnens, die Charaktere von Bleim und Rosa gelingen ihnen wahrhaft überzeugend. Manchmal scheint ihr Unglück mit Händen greifbar.

Auf Drängen der beiden Schauspieler adaptierte Felix Mitterer das Hörspiel ein Jahr später als Theaterstück. Es wurde im August 2000 bei den Telfer Volksschauspielen erfolgreich uraufgeführt.
Jetzt startet der Innsbrucker Haymon Verlag, bei dem Autor bereits viele seiner Theatertexte veröffentlicht hat, seine neue Hörbuch-Reihe mit der Hörspielproduktion des "Ungeheuer" - und hat damit zweifellos einen guten Griff getan.

Anne M. Zauner
23. April 2001

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