logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Herbert Maurer: Pannonias Zunge.

Roman.
Berlin: Berlin Verlag, 1999.
156 S., geb.; öS 248.-.
ISBN 3-8270-0346-6.

Link zur Leseprobe

"Doppelt fiktionalisiert, hält besser!" Mit dieser leicht veränderten Volksweisheit läßt sich am ehesten das Unterfangen Herbert Maurers umschreiben, in seinem Roman "Pannonias Zunge" geht es nämlich um eine doppelte Fiktion, die überraschenderweise völlig realistisch wirkt.

In 18 Kapiteln, wobei es lustigerweise kein sechzehntes Kapitel gibt, zeigt sich auf den ersten Blick eine spannende Biographie des pannonischen Meisters Joseph Haydn in musikalischen Äußerungen und sonstigen Selbstzeugnissen. Um die Authentizität dieser "Scheinbiographie" zu erhöhen, ist ein wissenschaftlicher Pseudoapparat parallel geschaltet, der oft den Primärtext begleitet und unterstützt, ihn an manchen Stellen aber überwuchert und selbst die erste Geige spielt.

Die Wörter Burgenland, Gumpendorfer Wohnung, Esterhazy, Hoboken oder Breitschopf werden sachkundig in regelmäßigen Abständen fallen gelassen, sodaß durchaus der Eindruck entsteht, es handle sich um zumindest semi-authentisches Musikmaterial. Spätestens an der Stelle, wo "Die Ärschin von Sussex" als pornographische Hymne bezeichnet wird, ist klar, daß man es mit einem hemmungslos schilfigen Luftschiff aus Pannonien zu tun hat. Pannonia heißt übrigens auch die Tochter Haydns.

Die gängigen Begriffe der Musikkunde werden systematisch überhöht und in Frage gestellt, indem ihnen absurde Ergänzungen und Definitionen beigestellt werden. Niemand findet ein Londoner Schlagwerk auffällig, eine pornographische Hymne jedoch irritiert. Mit geduldiger Raffinesse zerlegt Herbert Maurer die Insider-Sprache der Klassik-Freaks und schreibt eine mindestens so interessante Gegengeschichte zum offiziellen Gestus der Musikbranche.

Pannonien selbst wird ähnlich wie in Klaus Hoffers Mythos von den "Bieresch" im Seewinkel zu einem eigenartigen Landstrich, in dem seltsame Riten gepflegt werden. Weltberühmt ist angeblich das Querliegen, wobei die angehenden Schläfer darauf achten, nicht in einer der vier Windrichtungen, sondern quer dazu zu liegen.

Eine eigene Wahnsinnsstory bietet die musikalische Auseinandersetzung zwischen Joseph Haydn und Karl Dieter von Dittersdorf. Dieser Wettstreit zieht sich über den gesamten Kontinent hin, und selbst die aus österreichischer Sicht so berüchtigten Faröer werden danach beurteilt, ob sie "Ditterianer" oder "Haydnisten" sind.

Aber nicht nur die Musik muß sich als Zähmungsinstrument für wilde Völker beweisen, die wilden Völker bringen auch die gezähmte Musik in arge Schwierigkeiten. So ist etwa das "Wetterbezwingen" in Tirol etwas durchaus Musikalisches. Die Kinder werden bei Gewitter ins Freie gelegt, auf daß der Blitz in sie einschlüge. Tut er dies, lachen die Babys musikalisch, und die Eltern freuen sich, daß das Wetter bezwungen ist.

Herbert Maurers Pannonia-Roman ist eine kluge Auseinandersetzung mit den Themen Musikgeschichte, Biographie, Tradition, Enthnographie und Sekundärliteratur schlechthin. Sein Roman setzt dort an, wo die Textbeigaben zu diversen CDs enden: bei Schund und Starkult. Der Roman läßt sich als kulturhistorischer Abenteuerroman der grotesken Art lesen. Im Verlauf der Lektüre ergibt sich ein eigenwilliger Kosmos, und als Leser fühlt man phasenweise eine recht angeschwollene "Pannonische Zunge" in sich.

Helmuth Schönauer
11. April 2000

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Gabriele Petricek Die Unerreichbarkeit von Innsbruck (Sonderzahl, 2018)
Jürgen Berlakovich Tobman (Klever, 2018)

Fr, 21.09.2018, 19.00 Uhr Neuerscheinung Herbst 2018 | Buchpräsentationen mit Lesungen &...

Super LeseClub mit Diana Köhle & Didi Sommer

Mo, 24.09.2018, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Wir treffen uns...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...