logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Ernst Molden: Biedermeier.

Roman.
Wien, München: Deuticke, 1998.
176 S., öS 234.-.
ISBN 3-216-30396-9.

Link zur Leseprobe

Auch die Literatur kennt Moden. Diese Saison überraschen vor allem junge Autoren mit der Abkehr von der exklusiven Erzählhaltung zugunsten der Pluralität verschiedener Blickwinkel. Franzobel, Martin Amanshauser, Elke Naters, Angela Krauß, um einige zu nennen, und eben auch: Ernst Molden, Jahrgang 1967. Der junge Journalist debütierte 1994 mit den Essays "Weißer Frühling. Dubrovnik nach dem Krieg" und veröffentlichte 1997 mit "Die Krokodilsdame" seinen ersten Roman.

"Biedermeier" rollt einen historischen Fall auf: Fürst Aloys von Kaunitz-Rietberg ist es leid, die Reputation seines hochangesehen Großvaters Wenzel Anton Graf von Kaunitz zu polieren. Eingebettet in die besten Kreise Wiens verkommt er zusehens, sein riesiges Palais ist zum einen Teil eine Baustelle, der Rest ist ungepflegtes Durcheinander; Kaunitz-Rietbergs Gattin ist kühl und verschlossen, ab und zu flammt Haß zwischen den Eheleuten auf. Fürst Aloys hält sich an jungen Mädchen schadlos. Gemeinsam mit seinem schwarzen Diener macht er die Vorstadt unsicher und findet nichts dabei: Die anderen machen es ebenso ("Ihr wißt doch, daß an meinem Tun, dem Tun eines Privatiers, nichts Außergewöhnliches für ein Mitgleid unserer Gesellschaft ist", S. 162), und vor allem läßt er sich nicht lumpen. Die Mädchen bekommen danach finanzielle Abgeltung. Vielleicht ist Fürst Aloys selbst für damalige Verhältnisse zu weit gegangen, vielleicht wollte der Kaiser ein Exempel statuieren. Jedenfalls wurde Kaunitz-Rietberg wegen "Verdacht auf Notzucht und Kuppelei in mehr als 100 Fällen" im Juli 1822 verhaftet und von Franz I. der Stadt verwiesen. 1848 verstarb er, fast mittellos, in Paris.

Der Roman schildert die Ereignisse von Mai bis Juli 1822 aus der Sicht der einzelnen Beteiligten: Des Polizeidirektors Franz von Siber, des Missetäters Kaunitz-Rietberg und der Opfer Anna und Caecilie Vihwanz.

Ernst Molden bemüht sich um eine Sprache, die das Idiom des Wiener Biedermeier anklingen läßt; er thematisiert eine Epoche, die gemeinhin gern als wesentlich braver, gemütlicher und kultivierter gesehen wird, als sie war.
Trotz einiger Kraftausdrücke bleibt das Romanprojekt dabei auffallend brav, gemütlich und kultiviert.

Petra Rainer
15. Dezember 1998

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Super LeseClub mit Diana Köhle & Didi Sommer

Mo, 24.09.2018, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Wir treffen uns...

Küche der Erinnerung – Essen & Exil

Mi, 26.09.2018, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation mit Lesung &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...