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Katrin Mackowski: Rosa spielen.

Roman.
Wien: Libro, 1998.
(Libro Neue Literatur).
122 S., brosch.; öS 149,90.
ISBN 3-85494-000-9.

Link zur Leseprobe

Die Handelskette Libro expandiert, sie möchte in Zukunft noch kräftiger im Buchhandel mitmischen. Libro handelt deshalb seit neuestem nicht nur mit Büchern, sondern verfügt auch über einen hauseigenen Verlag. Die Reihe "Neue Literatur" soll das Hauptaugenmerk auf die Förderung von junger, österreichischer Literatur legen. Den Anfang macht der Debütroman "Rosa spielen" der 1964 in Deutschland geborenen und in Wien lebenden Katrin Mackowski.

Das poppige Cover, in kräftigem Hellgrün und sattem Fuchsia, suggeriert allerdings mehr Jugend und experimentelle Literatur als dann ist. Das Cover verrät jedoch auf einer anderen Ebene so manches über den Inhalt. Wir blicken auf eine junge Frau vor einem Ölgemälde, auf dem wiederum eine stilisierte Frau abgebildet ist. Das Gemälde ist scharf, das Gesicht der Frau hingegen bleibt verschwommen. Auch die Autorin legt größten Wert auf den literarischen und mythologischen Hintergrund ihrer Geschichte. Hans Bellmer und seine Puppenfotos sind präsent. Ingeborg Bachmann steht Pate. Denn Mackowski geht es um das uralte Thema von Mann und Frau, gefangen in einem unheilvollem Geschlechterkampf. Und um Literatur auf hohem Niveau.

Die Story: Aglaia ist eine moderne, junge Frau, sie hat ihren Magister in der Tasche, jobbt jedoch als Empfangsdame in einer Hamburger Anwaltskanzlei. Irgendwo muß das Geld für die Miete ja her. In der schwül und sexuell aufgeladenen Atmosphäre der Praxis ergibt sich eine Liaison zwischen der unkonventionellen Aushilfskraft und einem renommierten, um zwanzig Jahre älteren Anwalt. Treskow ist natürlich verheiratet, seine Frau Petra leidet an einer seltsamen Krankheit, die hin und wieder ihre Beine völlig bewegungsunfähig macht. Aglaia und Petra drohen in Aglaias Kopf zu verschmelzen. Am Ende verbünden sich die beiden Frauen. Treskow, auf einmal sterbenskrank, bittet seine junge Geliebte, ihn zu töten. Sie trennt ihm den Kopf mit einer Rasierklinge ab. Endlich kann Aglaia ihr Spiel zu Ende spielen: Köpfe im Meer versenken.

Mackowski erzählt ihre Geschichte in einer temporeichen Sprache, sie assoziiert frei und wild. Mal ist sie ganz nah beim fröhlichen und platten Feminismus eines Frauen-Krimis (Frauen töten ihre Männer einfach so), im nächsten Moment ist Poesie und Tiefgang angesagt. Aglaia, bei Hesiod eine Grazie (die Strahlende), ist eine moderne Undine, gestern noch bei Bachmann, heute bei Mackowski weitergedacht. Doch im Unterschied zu ihren literarischen Vorbildern gelingt es Mackowski kaum, ihrer Figur Plastizität zu verleihen. Alles ist bloß angedeutet und sofort heillos überfrachtet mit wüst wucherndem Assoziationsgestrüpp.

Dem Roman geht es ein wenig wie seinem Cover, der literarische Hintergrund wird schnell klar, die aktuelle Geschichte aber bleibt verwaschen. Für einen lockeren Frauenkrimi oder -roman kommt das Buch zu steif, zu unwitzig und zu ambitioniert daher, für ernste Literatur ist es eindeutig zu seicht, verfängt es sich zu oft in planlosen Bildern und herzengutem Pathos.

Man kommt nicht umhin, dem Buch ein unheilvolles Schielen auf die Quote vorzuwerfen. Der junge Verlag möchte von allem ein wenig: ein bißchen gängige Unterhaltung, aber dann doch mit literarischem Anspruch. Möglicherweise ein Fehlschluß: Für jeden etwas bringt nämlich am Ende keinem nichts.

Karin Cerny
29. Oktober 1998

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