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Leseprobe: Peter Matejka - "Die letzte Donau"

die vernissage (1971)

in der galerie grünangergasse hatte der berühmte mensch hermann nitsch eine vernissage. oben hingen die bekannten nitsch-fotos, im keller aber waren die schöneren sachen aufgehängt, relikte von diversen materialaktionen.
sehr viele prominente leute standen überall herum, ein wüstes sprachengewirr von wienerisch, amerikanisch und französisch war zu hören. neben einigen ausgehängten damenbinden sahen matejka und trummer die imposante hinterseite des berühmten filmers peter kubelka, nach andré heller "in new york ein gott"; kubelka hatte eine schwarze riesenhose und eine schwarze riesenweste an und sprach mit einigen amerikanern amerikanisch. der galerieleiter kurt kalb wetzte hin und her. lui dimanche schnallte sich gedankenverloren und ein wenig alkoholisiert ein weinglas vor den bauch. der wein war nicht besonders gut, trummer nannte ihn "heckenklescher". die blutbesudelten meßgewänder wurden von kompetenten leuten angeschaut und heftig diskutiert. joe berger stellte schon wieder den ersten "zagl" des abends zusammen. oben ersuchten zwei junge leute (studenten?) den hanser-autor hermann schürrer, er möge doch ein wenig leiser sprechen, sie wollten sich die fotos in ruhe ansehen. hermann schürrer brüllte: "wer da herinnen ein trottel ist, das bestimme ich, und deshalb werdet ihr jetzt die goschen halten!" die studenden schwiegen. anschließend ging schürrer zum bekannten maler arnulf rainer, der sein haupt kahlgeschoren trug und eine jacke aus dem stoff anhatte, wie er in heil- und pflegeanstalten benutzt wird. schürrer faßte den kleinen arnulf rainer an der schulter, beutelte ihn hin und her und sagte ein paarmal zu ihm: "du kleiner idiot." arnulf rainer entgegnete nichts. schürrer ging auf die straße, öffnete die hosentür und urinierte, wobei ihm die maler attersee und aratym zuschauten. (S. 185f.)

(c) 1997, Droschl, Graz, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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