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Kuba & Neuwirth: Totort.

Ein Mann erklärt dem Staat den Krieg.
Roman.
Wien, München: Deuticke, 1998.
250 S., geb.; öS 248.-.
ISBN 3-216-30450-7.

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Die Geschichte eines Mannes, der dem Staat den Krieg erklärt, sich die Medien zunutze macht und dabei vielleicht nur ein Ziel verfolgt, seinen Größenwahn zu befriedigen, ist in Österreich gegen Ende des Jahrhunderts traurige Wahrheit geworden. Die Rede ist vom austriakischen Una-Bomber Franz Fuchs alias Franz Hofer in Andreas Kubas und Christian Neuwirths Roman "Totort".

"Ein Mann erklärt dem Staat den Krieg", so heißt es im Untertitel dieses Krimis, der gelassen neben den spannendsten seines Genres im Regal Platz nehmen könnte, ohne daß ihm die Schamesröte über die Buchdeckeln steigen müßte. Doch eines unterscheidet Kuba & Neuwirths Werk von seinesgleichen: es beruht auf Fakten, wahren Begebenheiten, die in der Tat zu den dunkelsten Flecken österreichischer Geschichte zählen. Schonungslos berichtet der Roman von den vier Bombenopfern in Oberwart, den zahlreichen verstümmelten Händen, der Sinnlosigkeit solcher Taten.
Wie indes über solche Wahnsinnsakte berichten, wie sie beschreiben, gar in Prosa fassen? Kuba & Neuwirth verstanden es auf genialische Weise. Denn das schlaue Autorenduo bediente sich des Genres des Zeitromans und hatte damit gleich mehrere Probleme auf einmal gelöst: a) sie ersparen sich durch die Real-Fiktion den Vorwurf vorschneller Schuldzuweisung, denn Fiktion bleibt eben Fiktion (selbst wenn sie noch so der Realität entspricht); b) Franz Fuchs verschwindet hinter Franz Hofer, für die Nachgeborenen bleibt zwar die Warnung vor rechtsextremem Terror, doch sein Name ist damit ausgelöscht; c) das Profil des Täters läßt sich klar aufgrund genauer Recherchen zeichnen, ohne sich auf irgendetwas festlegen zu müssen.

Wie von etwas erzählen, das in Österreichs Medien lang und breit getreten wurde? Ganz einfach: man besinnt sich auf das alte Lied von Jäger und Gejagtem. Während einer der beiden Autoren Franz Hofer in seinem ausgeklügelten Fuchsbau aus der Sicht des personalen Erzählers mimt, übernimmt der andere den Part des Jägers, der mitunter selbst befürchten muß, Beute seines gesuchten Objekts zu werden.

Wie das eiskalte Bombenhirn Anschläge plant, sich seine Opfer auswählt und endlich zuschlägt, parallel dazu Thomas Lümmer (realiter Thomas Müller) nach und nach sein Leben auf den Unbekannten ausrichtet, erscheint so unwirklich und bleibt doch stets Tatsache.

Zwei Welten stehen einander gegenüber: auf der einen Seite der Terrorist, der jede seiner Bomben einzeln in mühsamer und nicht ungefährlicher Kleinarbeit konstruiert, auf der anderen Lümmer, der Psychologe, der vom Schreibtisch aus nach und nach sein Opfer einzukreisen scheint. Fritz Langs Szenario flackert wieder auf: eine Stadt sucht einen Mörder, alle Briefkästen werden beobachtet, Straßenkontrollen durchgeführt, doch den große Showdown müssen uns die Autoren schuldig bleiben, denn der Zufall führte bei der Festnahme von Franz Fuchs/Hofer Regie und ihn in die Hände der Polizei, wobei er sich seine eigenen weggesprengt hatte.

Wenn der irre Einzeltäter auch wieder an den folgenden Prozeßtagen die BBA (Bajuwarische Befreiungsarmee) hochleben läßt und daraufhin aus dem Gerichtssaal gewiesen wird, Leser dieses Buches wird dieses Verhalten kaum verwundern, denn sie haben zumindest einen Eindruck davon bekommen, was sich in der irren Welt des Franz Fuchs abgespielt haben mag.

Kuba & Neuwirth machen mit ihrem Roman aber eines noch einmal klar: so wie es vor der Explosion der ersten Bombe war, wird es in Österreich nicht mehr sein, zu tief hat sich der Begriff "Briefbombe" seit diesem 3. Dezember 1993 in unseren Wortschatz eingesprengt.

Susanne Zobl
10. Februar 1999

 

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