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Barbara Neuwirth: Das gestohlene Herz.

Ein romantisches Märchen.
Mit Originalradierungen von Georg Koenigstein.
Klosterneuburg: Edition Koenigstein, 1998.
o. S., geb.; öS 1909.-.
ISBN 3-901495-20-7.

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Das Herz ist bekanntlich eine strapazierte Metapher in diversen kulturellen Genres. Ohne ironische Distanz einen ganzen Text daran aufzuhängen, ist ein Bekenntnis zum Kitsch, das Barbara Neuwirth durch die Gattungsbezeichnung "romantisches Märchen" offenbar zu legitimieren beabsichtigt.

Im Zentrum dieses Märchens steht eine Metapher der Metapher: Einer "Frau", die in einem Wirtshaus voller "derber Männer" nach einem bestimmten "Menschen" sucht, wird ein Buch, das zugleich ihr Herz ist, entwendet. Von diesem Moment an klafft in ihrem Brustkorb ein Loch, ihre Lebensgeister schwinden dahin, die Natur wird fahl und düster.
Die unumgängliche Erlösung in diesem Prinz-und-Prinzessinnen-Plot erfolgt durch einen fremden jungen Mann, der nach einiger Zeit auftaucht und der Frau sein eigenes Buch-Herz schenkt. Als Antwort auf ihren Einwand, daß er dann ja selber keines mehr hätte, formuliert er die Moral der Geschichte als Sinnspruch: ein Herz, das einem gestohlen wird, verliert man - eines, das man verschenkt, gehört einem immer.

Traumhafte Symbolik und alogische Details, lyrische Klischees und Märchenmotive sind in diesem Kurztext durcheinandergewürfelt; die Figurenzeichnung bleibt trotz Ich-Perspektive steif und schemenhaft; die Dialogpassagen wechseln zwischen moderner und antiquierter, intellektueller und trivialer Sprache. Barbara Neuwirth hantiert hier mit unterschiedlichen Formen von Fiktion (Märchen, Mythen, Soap Opera, Kafkaeskes), ohne aus all diesen Quellen einen konsequenten Entwurf abzuleiten oder die strukturelle Inkonsistenz als Methode der literarischen Selbstreflexion einzusetzen.

Die Abstraktheit des Textes in diesem bibliophil ausgestatteten Riesenbuch wird durch fünf farbige Druckgrafiken des Künstlers und Herausgebers Georg Koenigstein teilweise aufgehoben. Die Illustrationen verleihen den anonymen Figuren konkrete Gestalt und greifen auch interpretierend ein. Das letzte Bild zeigt eine Frau, die ein Buch liest, auf dessen Umschlag der Name Barbara Neuwirth zu lesen ist - Koenigstein postuliert damit eine Gleichsetzung von Autorin und Ich-Erzählerin, die auf so unmittelbare Weise im Text nicht enthalten ist. Die Frau auf dem Bild liest einerseits als Autorin beziehungsweise Ich-Erzählerin in sich selbst und andererseits, in einer weiteren Spiegelung, als Leserin "im Herzen" der Autorin. In Kunsthandwerk verpackt, wird mit dieser Edition die kulturtechnische Errungenschaft "Buch" als Symbol eines gänzlich überkommenen Künstlerbildes zelebriert.

Christine Rigler
9. April 1999

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