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Rosemarie Poiarkov: Wer, wenn nicht wir?

Erzählung.
Wien: Czernin Verlag, 2007.
128 Seiten; geb.; Eur 19,80.
ISBN 978-3-7076-0240-1.

Autorin

Leseprobe

2001 debütierte die junge österreichische Autorin Rosemarie Poiarkov mit dem Erzählband "Eine CD lang. Liebesgeschichten" bei Zsolnay - mit einigem Erfolg. Es war die Blütezeit deutscher Popliteratur, die coolen jungen Autoren und ihre ihnen ähnlichen Erzähler waren gute Freunde, die die Tage in ihren Stammcafés verbrachten und sich bei einer Zigarette vom Nachmittag in den Abend erzählten. Das Leben war leicht. Der Erfolg schien so einfach zu haben wie die Gewinne an der Börse.

Die Zeiten haben sich geändert. Auf den Hype um die aus dem Boden geschossenen Internetunternehmen folgte ein deftiger Börsencrash, viele damals euphorische Kreative sind heute Teil des Cyberproletariats. Das Phänomen Popliteratur ist eine Fußnote der Literaturgeschichte, es war so schnell beim Publikum vergessen wie es aus dem Boden gestampft worden war. Die Popliteratur war zwar ein bundesdeutsches Phänomen - und damit bin ich wieder bei Rosemarie Poiarkov gelandet - doch wurde ihr Debüt als eine österreichische Variante wahrgenommen. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die sogenannten Popliteraten nicht an ihre früheren Erfolge anschließen - gelingt es ihr?

Poiarkov hat sich Zeit gelassen für ihr zweites Buch "Wer, wenn nicht wir?". Anna, die Protagonistin der Erzählung, wohnt in Wien, wo sie als freie Journalistin arbeitet. Mit dem wenigen Geld, das die Arbeit abwirft, kommt sie gerade so über die Runden. Sie hat eine veritable 30er Krise, die Beziehung zu ihrem Freund Boris gestaltet sie so unverbindlich wie möglich. Von ihrer Mutter wird sie wie ein Kind behandelt. Das stört sie kaum. Anna sagt Mama und Oma, wenn sie von ihrer Mutter und Großmutter erzählt. Erwachsenwerden ist nicht ihr vordringlichstes Ziel.

Dieses Jahr fährt sie zu Weihnachten einen Tag früher nach Hause in ihre kleine Heimatstadt, um die schwer kranke Großmutter im Spital zu besuchen. Annas Gedanken kreisen sofort und beharrlich ums Sterben der alten Großmutter, sind aber nicht von Mitgefühl geprägt sondern egoistischer Natur: Annas zentrale Frage ist, ob sie die Eigentumswohnung der Großmutter erben würde. "Ich war neugierig auf den Tod. Und ich schämte mich dafür." Anna fragt sich, an welchen Tagen besonders oft gestorben wird und woher man weiß, wer von einem Todesfall verständigt werden muss: "War jedes Leben so durchsichtig, dass es für Nahestehende leicht war, niemanden zu vergessen? Und wenn ich plötzlich sterben würde? Würde man einfach die Nummern in meinem Handy durchrufen? Aber wenn ich es ausgeschaltet hatte? Niemand kannte den Code, und bis sie ihn fanden, war ich vielleicht schon unter der Erde."

Tatsächlich stirbt die Großmutter während der Weihnachtsfeiertage. Anna rätselt, ob ihr Tod ein Zufall ist: "Gott, den Mann mit dem Überblick, zu fragen, hatte keinen Sinn. Der schwieg beharrlich, und man wusste nicht einmal, ob er einen gehört hatte oder ob die Düsenjäger oder Satelliten wieder einmal zu laut gewesen waren." Das ist nicht die Sprache einer dreißigjährigen Journalistin, wie auch die Fragen, die sie sich über den Tod stellt, aus der Gedankenwelt einer Jugendlichen stammen.

Poiarkovs Erzählung plätschert kontur- und formlos durch die Weihnachtsfeiertage, ohne Höhepunkte, ohne große Emotionen. Die Protagonistin ist so kindlich in ihre Lebensprobleme verstrickt, dass nichts für sie einnehmen kann. Anna ist vielleicht eine von vielen orientierungslosen jungen Menschen, aber es fehlt dem Text an Gehalt, an Weite, an Herzblut. Vielleicht hätte die Erzählung in einer komprimierten Form funktioniert, dreißig, vierzig Seiten lang?.

Hinaus in die Welt! Möchte man der Protagonistin hinterherschreien. Und auch der Autorin, die zweifellos Talent hat, aber mit diesem Buch keinen Schritt nach vorne getan hat.

Peter Landerl
23. September 2007

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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