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Judith Pouget: sprechen, um zu berühren.

Briefjournal eines Sommers.
Weitra: Bibliothek der Provinz, 2004.
Reihe "edition linz".
77 S.; geb.; Eur 9,-.
ISBN 3-85252-583-7.

Link zur Leseprobe

Judith Pouget beschreibt in ihrem Text "Sprechen, um zu berühren", der mit "Briefjournal eines Sommers" untertitelt ist, die Beziehung einer Ich-Erzählerin zu einem abwesenden Geliebten. In fiktiven Briefen an diesen versucht sie, sich über die Gefühle, die die Begegnung in ihr ausgelöst hat, Klarheit zu verschaffen - "all der emotionale Aufruhr, kaum schlafen, kaum essen, so viel Veränderung". Sie versucht sich die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen und entwirft Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft.

Daneben befinden sich Beschreibungen des Alltags der Erzählerin, den diese ihrem Du mitteilen und für es bewahren will - die Sommernachmittage an einem Linzer Badesee, den Ausflug ins Burgenland zu einer Freundin, das Schreiben, die Lektüre sowie ausgiebige Schilderungen des Wetters und dessen Auswirkungen:
"Nach viel Regen ist es immer noch heiß und wir haben fast hundert Prozent Luftfeuchtigkeit - ein Wetter, bei dem ich leicht depressiv werde; nicht von der Hitze, sondern von dieser drückenden, lastenden Schwüle, die sich wie ein eisener Ring um den Kopf legt, mich unfähig macht, klar zu denken."

Vom angesprochenen Du erfährt man lediglich, dass es abwesend ist - auf einer Reise, aber man erfährt kein eindeutiges Motiv für die Abwesenheit, und selbst während einer kurzen Anwesenheit, die die Erzählerin in nur wenigen Zeilen beschreibt, bleibt dieses Du sprach- und konturlos, hinter dem ich zurück:
"Mein Lieber - endlich bist du zurück. Ich war so froh gestern, Dich zu sehen; mit Dir in der Küche zu sitzen, während dieses heftige Gewitter niederging, Dich anzusehen, Deine Füße auf meinen zu spüren und dann neben Dir einzuschlafen, zum Geräusch des Regens, umarmt und friedlich. Du hast dich bedankt für die Nähe - ich danke Dir auch."
Das einzige, das der Leser über dieses Du erfährt, ist, dass es ebenso wie die Erzählerin selbst schreibt - davon, dass die Erzählerin während seiner Abwesenheit Bücher von ihm liest, die sie an die Gespräche mit ihm erinnern, ist die Rede.

Es ist ein Kommunizieren über die Schrift, das in diesem Text beschrieben wird, der Versuch die Ferne mittels der Schrift zu überwinden, durch die Schrift etwas wie Nähe zu erzeugen, was auch der Titel nahe legt.
Als Leserin fühlte ich mich jedoch gerade durch diese Intimität, die immer wieder ins Klischeehafte abrutscht, ausgeschlossen - zu deutlich schienen mir die Briefe an ein bestimmtes Du adressiert und zu sehr konzentriert auf das erzählende ich. Dies mag freilich mit der Tagebuchform zusammenhängen, in die die Briefe eingebettet sind. Doch auch ein Text dieser Form sollte sich dem Leser gegenüber nicht völlig verschließen. Ich fand es jedenfalls irritirend, dass diese Briefe nicht an mich adressiert zu sein schienen und mir nichts zu sagen hatten.
Natürlich ist die Öffnung der Kunst gegenüber dem Alltag begrüßenswert, allerdings sollte die Kunst dabei nicht hinter dem Alltag verschwinden, die Abbildung des Alltags nicht Selbstzweck sein. Als Person außerhalb der beschrieben Zweierbeziehung bin ich nicht am Alltag der Erzählerin interessiert, sondern am Blick auf den Alltag, an dessen Wahrnehmung. Ich erwarte von einem Text, dass er meinen Blick schärft, meine Perspektive auf etwas verändert, mir eventuell Bekanntes zeigt, aber anders.

Unterhaltsam ist der Text vielleicht für Bewohner von Linz und Umgebung, die mit den zahlreichen Orts- und Örtlichkeitsbezeichnungen tatsächlich konkrete Orte verbinden. Ein mit dieser Umgebung nicht so vertrauter Leser weiß jedoch mit regional beschränkten Hinweisen wie "von der Webschule an sind die Häuser am Kai und in der Ottensheimer Straße nur noch mit Booten zu erreichen" , "Steyregger Brücke" oder "Goldwörthersee" eher wenig anzufangen.
Der Text endet mit dem Vorsatz zum Aufbruch. Meinem Empfinden nach kommt dieser Aufbruch jedoch zu spät.

 

Angelika Zimmermann
11. Mai 2005

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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