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Paul Parin: Das Katzenkonzil.

Hamburg: Europäische Verlagsanstalt / Sabine Groenewold Verlage, 2002.
80 S., geb.; EUR 20.-.
ISBN 3-434-50533-4.

Link zur Leseprobe

Katzen streifen durch die Seiten. Sie rollen sich am Buchrand ein. Machen einen großen Buckel und ritzen das Papier mit ihren scharfen Krallen.
Die Geister, die ihr Schöpfer rief, wird er nun nicht mehr los. Es sind jedoch freundliche Geister, die Paul Parin, Autor und bedeutender Pionier der Ethnopsychologie ("Die Weißen denken zuviel"), beschwört. Sie schmiegen sich an seinen Hals und schnurren auf seinem Schoß. Bis zum Weltgipfel der internationalen Katzengemeinschaft, dem "Katzenkonzil", wenigstens. Dort finden sich langhaarige, seidenglatte, buschige und in allen Farben spielende Samtpfoten ein, um die wichtige Frage zu entscheiden, was mit dem Menschen geschehen soll. Denn der hat unverzeihlichen Verrat geübt. Die Katzenpäpstin berichtet von zwei toten Schwestern in Tibet, von zwei ausgesetzten Tieren in Ägypten und einer tödlich Beleidigten im hohen Norden. So endet das Goldene Zeitalter, in dem Mensch und Katze eine symbiotische Einheit bildeten. Das war vor tausend Jahren.
Die Strafe der Tiere fällt milde aus. Wie es sanften Katzenseelen entspricht:
"Von jetzt an werden alle Kätzinnen, Kater und Kätzchen der Welt sehr stolz, sehr frei, sehr unabhängig tun. Sie bleiben weiter bei den Menschen wohnen, man muss sie aber dreimal bitten, den süßen Rahm zu schlecken, man muss sie fünfmal ersuchen, in die Häuser und Hütten hereinzukommen, um sich zu wärmen. Und man muss ihnen dreihundertmal zeigen, wie beliebt sie sind, sonst tun alle großen und kleinen, jungen und alten, glatthaarig-glänzenden, seidenhaarig-buschigen, getigerten, gefleckten und mondfarbenen Katzen so, als wären sie unbeliebt, fauchen, machen einen Katzenbuckel und schnurren ein wenig erst nach dem dreihundertsten Bitteschön der Menschen."

Paul Parins melancholisches Märchen schlägt den Leser sofort in Bann. Es ist sehr schlicht und in seiner Schlichtheit vollkommen, ein geschliffenes Juwel. In ihm atmet - Verzeihung für das Klischee - die Weisheit und Lebensklugheit eines alten Mannes (Paul Parin ist heuer 86 geworden). Es gelingt dem Autor, seine Geschichte entlang des schmalen Grats zu balancieren, wo Schlichtheit nicht ins Simple abgleitet oder poetische Kraft zum kitschigen Pathos wird.

Die beiden anderen Texte, die Paul Parin in seinem schmalen Buch versammelt, können an die titelgebende Geschichte nicht heranreichen. "Die Schönheit der Katze" und "Mutter Natur und ihr Planet" sind zwar von derselben träumerisch märchenhaften Leichtigkeit wie das "Katzenkonzil", ihnen fehlt jedoch der zündende Gedanke. Im ersteren Text sinniert Parin über die Wesensverwandtheit von Katz und Fuchs, des schönsten und zweitschönsten Tiers auf Erden, und lotet ihr gestörtes Verhältnis zum Menschen aus. Die beiden, Schwester und Bruder im Geiste, werden ein Märchen wahr machen, schreibt der Autor, wenn ihnen homo sapiens eines Tages gestatten wird, einträchtig und versöhnt an seiner Seite zu leben.
In der dritten und letzten Geschichte durchstreift Paul Parin die Evolutionsgeschichte des Blauen Planeten im Zeitraffer und ist dabei sicher unterhaltsamer als manch eine Geschichtsstunde. Und doch - obwohl die beiden Texte vergnüglich zu lesen sind, unvergessen bleibt mir wohl nur das "Katzenkonzil".

Zum Schluss möchte ich die reizvollen, feinnervigen Tuschezeichnungen von Manù Hophan, die sich von Paul Parins Katzenliebe anstecken ließ, nicht unerwähnt lassen. Aufs beste ergänzen sie das schön gestaltete Buch der für ihre Qualität bekannten Europäischen Verlagsanstalt.

Anne M. Zauner
10. Juli 2002

Originalbeitrag

 

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