logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Georg Payr: Vom Drücken des Schuhs.

Roman.
Innsbruck: Haymon, 1999.
155 S., geb.; 198 öS .-.
ISBN 3-85218-290-5.

Link zu Leseprobe

Mit dem Roman "Vom Drücken des Schuhs" legt der Tiroler Autor Georg Payr seine dritte Prosaarbeit im Haymon-Verlag vor. Der umständliche Titel führt direkt ins Geschehen ein. "Wo drückt dich der Schuh, mein Junge?" soll Albert Mikuz gefragt werden, wenn er wieder aufwacht. Er hat sich gerade mit einem Sturz von der einzigen Brücke des Heimatortes ins Koma katapultiert. Die Frage soll das Rätsel der selbstmörderischen Absicht lösen und nach den Ursachen für die (Verzweiflungs-)Tat forschen. Bis es soweit ist, schlüpft der Autor in die Rolle des Aufklärers und bringt uns die Lebensgeschichte von Albert näher.

Albert wächst im Ort Seitenstächen auf, der von einer Bierbrauerei und daher auch vom Bier regiert wird. Den Ort einer bedrückenden Enge - der Text ist dem Genre der Neuen Kritischen Heimatliteratur verpflichtet - kann Albert verlassen. Die Schule, die er in einer anderen Stadt absolviert, bringt ihn aber langsam zum Verstummen. "Er hatte das Aufbegehren nie gelernt, und das Reden war ohnehin nie seine Sache gewesen. Ließ er zunächst jedes dritte Wort aus und bald jedes zweite, so saß er eines Tages in der Klasse stumm wie eine nichtssagende Blinddarmnarbe." (S. 32)

Das Leben ist eine einzige Trostlosigkeit, der Ausweg für Albert: Er baut sich seine Phantasiewelt, die für ihn eins wird mit der Realität. Im Beschreiben dieser fiktiven Welten gelingen dem Autor wohl die schönsten und eindrücklichsten Passagen, filmisch in ihrer Narration. Die Realität kippt ins Surreale und beide Zustände werden voneinander ununterscheidbar. Wie ein Film zieht das Leben Alberts am Leser vorüber, die einzelnen Protagonisten treten auf und wieder ab, eingeführt vom auktorialen Erzähler ("Jetzt wird es Zeit, Moritz Klingenschmied eintreten zu lassen.", S. 8), der wie ein Conferencier den Vorhang für Einblicke in die "Grauslichkeiten des alpinen Raums" (S. 9) hebt und senkt. Was zu sehen bzw. zu lesen ist, ist die düstere literarische Analyse einer entfremdeten (Dorf-)Gesellschaft. Die Menschen werden zu austauschbaren Typen (Vater, Mutter, Sohn, der Redner). Der eigenwillige Sprachduktus Georg Payrs, gekennzeichnet von einer durchwegs komplexen Syntax und sprachlichen Bildern und Metaphern, rückt die Themen ins Zeitlose.

Am Ende bleibt offen, ob Albert aus dem Koma erwachen wird. Ob wir es wünschen sollen, angesichts der entmenschlichten Umgebung, in die ihn der Autor hineingeboren hat?

Ivette Löcker
9. Juli 1999

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
PODIUM-Themenheft "Heldenreise" – Thomas Ballhausen | Patricia Brooks | Ilse Kilic | Carsten Schmidt

Mi, 24.04.2019, 19.00 Uhr Zeitschriftenpräsentation mit Lesungen Helden reisen und kehren...

Literaturhaus-Textwerkstatt

Do, 25.04.2019, 18.00-21.00 Uhr Uhr Schreibwerkstatt für Autor/inn/en von 18 bis 26 Jahren Die...

Ausstellung
Hommage an Jakov Lind (1927-2007)

01.04. bis 25.04.2019 Der Autor, Maler und Filmemacher Jakov Lind, 1927 als Sohn jüdischer Eltern...

Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....