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Thomas Raab: Der Metzger muss nachsitzen.

Kriminalroman.
Graz: Leykam, 2007.
S.288; geb.; Eur 19,90.
ISBN 978-3-7011-7577-2.

Link zur Leseprobe

12 Schüler und ein Todesfall: Metzger - Mittvierziger, Restaurator, alleinstehend - lebt von seiner Umwelt weitgehend unbeachtet gemütlich vor sich hin - bis er eines Nachts über eine Leiche stolpert. Der Tote ist ein ehemaliger Klassenkollege; einer von denen, die Metzger die Schulzeit zur Hölle gemacht haben. Selbst als Leiche noch sorgt er für Schwierigkeiten: Als Metzger mit dem Dienst habenden Kommissar - zufälligerweise wieder ein ehemaliger Klassenkollege! - zum Fundort kommt, ist der Tote verschwunden. Wie ein Idiot steht Metzger nun da; ganz wie früher, als er den Alphatieren seiner Klasse als Fußabstreifer diente.

Da Metzger davon ausgeht, dass ihm die Leiche absichtlich vor die Füße gelegt worden ist, beginnt er sich notgedrungen mit der eigenen Schulzeit auseinanderzusetzen und in den Lebensläufen seiner Mitschüler herumzukramen: "Jetzt hat der Metzger natürlich schon immer gewusst, dass unaufgearbeitete Geschichte irgendwann wieder, überheblich grinsend, mit Ellbogen aus dem Fahrerfenster und verspiegelter Sonnenbrille, auf der Überholspur von hinten daherkommt. Dass das jetzt aber nicht nur im globalen Sinn gilt, sondern auch auf ihn persönlich zutrifft, hätte er sich nicht gedacht. So hinterfotzig kann das Leben sein, weil unangenehm ist das schon, am Heimweg über einen alten Schulkameraden zu stolpern, dem man eigentlich immer aus dem Weg gegangen ist!" (S. 11)

Raabs Krimi erinnert stellenweise ein wenig an Wolf Haas. Beide Autoren sind gewitzte Sprach-Tüftler, beider Hauptfiguren sind sympathische Antihelden. Allerdings wird Raabs Roman nicht durch eine zwischengeschaltete Erzählinstanz gebrochen. Sein Krimi ist insgesamt glatter, weniger doppelbödig und hinterfotzig.
Raabs Held ist höflich und gebildet - deshalb ist auch der pseudonaive Tonfall, den der Autor gelegentlich anschlägt, nicht wirklich stimmig. Ansonsten lässt sich zu Metzger noch anmerken, dass er ein Faible für Rotwein, eine Biedermeierkommode im Vorzimmer und ein großes Herz hat: "Wenn aber Worte verloren wurden, und das kam häufig vor, die dem Metzger zwar nicht gehörten, aber für ihn gedacht waren, und er sie zwar gefunden hat, aber meistens verletzend, dann war er nicht nachtragend."
Neben zahlreichen Wortspielereien flicht Raab auch diverse Lebens- und Weltbetrachtungen in den Text ein. "Der Metzger hat nie verstanden, was Menschen dazu bewegt, an eine Religion zu glauben, die einerseits die Auferstehung als ihre größte Frohbotschaft in die Welt posaunt [...] und gleichzeitig genehmigt, dass ihr absoluter Held, der Befreier der Menschheit, abgebildet im Moment seiner größten Marter, als geweihte Holzschnitzerei über den Betten [...]der meisten Christen hängt. Da muss es einem erst einmal gelingen, eine rechte Freude aufkommen zu lassen. Für den Metzger ist es deshalb nie ein Wunder gewesen, wenn die religiösesten Menschen über Leichen gehen, sie werden ja richtiggehend abgehärtet, schon allein durch die ständige Gegenwart solcher Dekorationsstücke." (S. 86)

Vor allem in der zweiten Hälfte des Romans würde man sich ein forcierteres Vorantreiben der Handlung und weniger Lebensweisheiten wünschen. Auf Erkenntnisse wie die folgende könnte getrost verzichtet werden: "Alles ist teurer geworden! Für etwa 13,76 Schilling durften wir stolz einen Euro einkaufen, heute bekommt man für einen Euro bestenfalls Ware im ehemaligen Wert von 10 Schilling! Rechnet sich ja viel leichter: Ein Schnitzel mit Kartoffelsalat 7,90 Euro. 79 Schilling wären damals für ein Schnitzel ganz schön viel gewesen, heute ist man froh über jede Speise, die nicht an der Zehn-Euro-Marke kratzt." (S. 126)

Am Ende des Romans steht nicht nur die Aufklärung des Falles, sondern auch ein gestärkter Metzger: die Türe, gegen die er klopft, wird sich ihm öffnen. Happy times are here again.
Raab hat mit seinem Roman einen gefälligen, streckenweise recht unterhaltsamen Krimi vorgelegt, der vor allem Kabarett-Fans gefallen wird. Ein guter Erstling.

 

Barbara Angelberger
23. Juli 2007

Originalbeitrag

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