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Eva Rossmann: Millionenkochen.

Ein Mira-Valensky-Krimi.
Wien-Bozen: Folio Verlag, 2007.
262 S.; geb.; Eur 19,50.
ISBN 978-3-85256-378-7.

Link zur Leseprobe

Mit "MillionenKochen" legt Eva Rossmann den nunmehr neunten "Fall" der Journalistin und Hobbyköchin Mira Valensky vor, die auch diesmal wieder im Zuge ihrer Lifestyle-Recherchen für das "Magazin" über eine Leiche stolpert. Der Rahmen ist nicht weniger "Seitenblicke"-reif als es die vorhergehenden Schauplätze der Valensky-Ermittlungen waren. Fernsehsendungen rund ums leibliche Wohl gehören schon seit geraumer Zeit nicht nur für Omas und Grosstanten zum Pflicht-Repertoire, mit Jamie Oliver und Co. ist eine neue Generation auf den Plan getreten, die uns lehrt, wie man in der Küche kreativ u n d cool sein kann.

Genau diese Mischung aus Starköchen und ehrgeizigen Laien, gespickt mit dem funktionstüchtigen Rezept der Millionenshow, steht im Mittelpunkt der neuen Story, auf die Mira Valensky vom "Magazin" angesetzt wird. Ein neuer Sender, privat natürlich, eine prominente Moderatorin sowie eine Menge Geld.

Am Anfang steht ein Sommerfest der sogenannten Win-Sat-Studios. Auf dem Weg dahin wird Mira unfreiwillig Zeugin eines missglückten Selbstmordversuchs des in der letzten Runde ausgeschiedenen MillionenKochen-Kandidaten Klaus Liebig. Diesem Umstand verdankt sie es, dass sie gleich mit ihrer Nase in den heissen Brei der Intrigen rund um die beliebte Show gestossen wird. Sie lernt die Moderatorin Lena Sanders kennen, ihrerseits Opernstar mit Stimmbandproblemen (von denen allerdings niemand etwas wissen darf) und mangelndem Kochtalent (ebenfalls geheim), weiters den Produzenten, den Manager, den Haupteigentümer und natürlich die "Gegner" von Klaus Liebig auf Star- sowie auf Laienseite. Wenig später stirbt Susanne Kraus, die Favoritin im Rennen um die Millionen.

Es gibt viele Verdächtige: allen voran ihr Mitstreiter, Bert Seinitz, ein berufliches Opfer der Rationalisierungswelle und Sozialhilfeempfänger; Lena Sanders, die georgische Starsopranistin, über deren Probleme Susanne Kraus zu viel wusste; Anna-Maria Bischof, die Haubenköchin mit Wellness-Hotel in Tirol, bis über beide Ohren verschuldet und Auftraggeberin von Susanne Kraus, die für sie das neue Kochbuch als Ghostwriterin schreiben sollte; und nicht zuletzt der Chefredakteur des "Magazins", Hannes Hochstatt, der mit Susanne Kraus nicht nur geschäftlich in Verbindung stand, sondern die Provinzjournalistin offenbar undercover bei der Show hat recherchieren lassen und ihr Hoffnungen auf einen Redaktionssessel beim "Magazin" gemacht hat.

Mira hetzt von einem Schauplatz zum nächsten, und wäre da nicht auch ihr Privat- und mittlerweile Eheleben mit Wirtschaftsanwalt Oskar samt Katze Gismo, dann könnte sie kaum noch die Grenze zwischen Show und Realität ziehen. Dem schönen Schein verfällt auch ihre Freundin Vesna, die dem kunstsinnigen Produzenten und Miteigentümer der Win-Sat-Studios, Valentin Freytag, undercover näherzukommen versucht und sich prompt Hals über Kopf in ihn verliebt und ihre Job- und häuslichen Pflichten dabei leicht aus den Augen verliert. Am Rande erfährt man von den Aktionen einer Gruppe junger Studentinnen rund um Vesnas Tochter Jana, die sich gegen den Chauvinismus muslimischer Männer richten.

Der psychologische Background der ganzen Geschichte ist durch Andy Warhols Aussage von 1968 "In the future everybody will be world famous for 15 minutes" (S. 25f.) gegeben. Refrainartig kehrt diese Pop-art-Vision an so mancher Stelle des Romans wieder und fokussiert ein wesentliches Problem unserer Konsumgesellschaft. Auf den Punkt bringt es eine Psychologin, die Mira Valensky im Laufe ihrer Recherchen interviewt: "Eigentlich wäre das wunderbar demokratisch. Wenn dabei jeder so sein könnte, wie er will. Nur: Es sind Fernsehsender, die vorgeben, wie jemand zu sein hat, um auch nur für ganz kurze Zeit berühmt zu werden. Die Zahl der Menschen, die bereit sind, dafür alles zu tun, steigt. Und das erschreckt mich." (S. 193)

Alles in allem ist "MillionenKochen" eine gelungene Fortsetzung dessen, was mit "Wahlkampf" und "Ausgejodelt" begonnen hat. Einfühlsame Personenschilderungen, Lokalflair, versteckte Komplimente an die Wiener Stadt, Schnappschüsse von High-Society-Veranstaltungen und nicht zuletzt eine kräftige Dosis Suspense machen aus den Krimis von Eva Rossmann ein spannendes Lesevergnügen und lassen den Wunsch lautwerden, dass Mira Valensky in Zukunft noch über manche Leiche stolpern möge.

 

Claudia Holly
6. November 2007

Originalbeitrag

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