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„Jüdisch-politisch soll es sein“. Der Nachlass Oscar Tellers in der Österreichischen Exilbibliothek


Oscar Teller. Foto: Trude Fleischmann

Seite aus Scrapbook zu Oscar Tellers Kunstreproduktions-Verleih, nach 1945

Bearbeitetes Inhaltsverzeichnis zur Anthologie "Davids Witz-Schleuder".

Oscar Teller (01.10.1902, Wien – 10.07.1985 Givatayim/Israel) hat die Wiener Kabarettlandschaft der Zwischenkriegszeit bedeutend mitgestaltet und diese Tradition mit der Gründung des Exilcabarets Die Arche in New York fortgesetzt. Viktor Schlesinger, Benno Weiser, Jimmy Berg und Friedrich Torberg sind nur einige, die mit Teller in enger Verbindung standen. 1938 emigrierte Teller über Großbritannien nach New York. In den Sechzigerjahren entschied er sich für die Rückkehr nach Israel.

Sein gesamtes Werk ist politisch motiviert und schon von Beginn an mit Aspekten der Migration verbunden. Noch bevor das deutschsprachige Exilkabarett Arche zu einem Stück Heimat in der Fremde wurde, bot das jüdisch-politische Kabarett Tellers in Wien aus Deutschland geflüchteten Künstlern und Künstlerinnen Raum, ihre Tätigkeit fortzusetzen. Doch auch für das Publikum waren dies notwendige Orte des Treffens und des Austauschs. Der Witz ist nicht nur eine Methode, um Wahrheiten Gehör zu verschaffen, sondern auch ein Modus der Verarbeitung.

Ein weiterer roter Faden besteht in dem Wunsch, Kunst im Allgemeinen und jüdische Literatur im Besonderen zu bewahren und zugänglich zu machen. Dabei spielten künstlerische Abende, an denen er sich selbst als Sprechkünstler beteiligte, als auch die von ihm herausgegebene Anthologie Davids Witz-Schleuder. Jüdisch-Politisches Cabaret. 50 Jahre Kleinkunstbühnen in Wien, Berlin, London, New York, Warschau und Tel Aviv  (Darmstadt 1982) eine wichtige Rolle. Ein weniger bekannter Aspekt seines Lebens ist seine Tätigkeit in Bereichen des Kunsthandels und der Erwachsenenbildung.

All diese Schaffensperioden finden sich in den sechs Boxen des Nachlasses von Teller selbst auf besondere Art und Weise dokumentiert. 2014/15 kam der Nachlass als Schenkung der Tochter Friedl Teller-Blum in die Exilbibliothek. Er ist nun verzeichnet und für die Forschung öffentlich zugänglich. Enthalten sind Typoskripte der Anthologie und zahlreiche Texte sowie Musikstücke, die  sich während Tellers Arbeit zur Wiedererlangung verschollener jüdisch-politischer Literatur angesammelt haben. Darüber hinaus sind Programme, zahlreiche Künstlerportraits und eine zwischen 1976 und 1979 entstandene Korrespondenz mit Friedrich Torberg zu finden.

Der Nachlass wurde von Claudia Geringer bearbeitet.
Kontakt: Veronika Zwerger
Wir ersuchen um Voranmeldung.



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