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Exilautorin Lore Segal zu Gast im Literaturhaus Wien


Lore Segal bei ihrer Lesung im Literaturhaus. Foto © Paul Pibernig

Beatrice und Lore Segal, Moderator Thomas Ballhausen. Foto © Paul Pibernig

Box mit Kochrezepten von Lore Segals Mutter. Foto © Paul Pibernig

Beatrice Segal, John Stern, Lore Segal. Foto © Paul Pibernig

Büchertisch. Foto © Paul Pibernig

Blick in die Ausstellung. Foto © Paul Pibernig

Die Leiterin der Österreichischen Exilbibliothek Veronika Zwerger (links) führt durch die Ausstellung. Foto © Paul Pibernig

Die in Now York lebende österreichische Exilautorin Lore Segal war der strahlende Ehrengast der 25-Jahr-Feier der Österreichischen Exilbibliothek im Literaturhaus. 1928 in Wien geboren, 1938 mit einem Kindertransport nach Großbritannien geflohen, studierte sie englische Literatur in London und lebt seit 1951 in New York. Sie ist Autorin von Essays, Kurzgeschichten, Kinderbüchern und Romanen und lehrt an verschiedenen amerikanischen Universitäten. 2018 wurde sie in Wien mit dem Theodor Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil ausgezeichnet. Anläßlich der Ausstellungseröffnung "Küche der Erinnerung. Essen & Exil" sprach sie gemeinsam mit ihrer Tochter Beatrice Segal über das Weiterleben österreichischer Kochtraditionen in ihrer New Yorker Familie und las ihren Text "Brot und Butter" aus dem reich illustrierten Begleitband zur Ausstellung:

Ich frage Freunde gerne, was sie sich als Henkersmahlzeit wünschten, hätten sie einen Mord begangen und würden sie hingerichtet werden. Meine Antwort darauf lautet Brot und Butter. Eine gebutterte Scheibe Roggenbrot mit Samen von Zabar's in New York würde reichen, aber eigentlich lautet die Antwort: das Schwarzbrot, das meine Großmutter in der Küche hinter Großvaters Kurzwarengeschäft herstellte. Das Warenhaus Joseph Stern stand auf dem Hauptplatz schräg gegenüber dem Fischaturm in Fischamend und wurde im August 1938 von den Nazis enteignet. ("Küche der Erinnerung", S. 290)

Die Geschichte nationalsozialistischer Verfolgung und Vertreibung ist nicht zuletzt eine Geschichte von Hunger und Mangel, von Verlust und Befremdung, aber auch von Überleben und Neuorientierung. In vielen Dokumenten des Exils werden Kochen und Essen als stabilisierende Momente beschrieben. Sie symbolisieren die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe – politisch, religiös, sozial, geografisch oder auch familiär. Speisen und ihre Zubereitung können Emotionen und kollektive Erinnerungen an eine Vergangenheit vor der Vertreibung wachrufen, sie erweisen sich als "Gedächtnisorte". Und im Gegenzug: Das Annehmen von kulinarischen Traditionen des Zufluchtslandes kann ein Beitrag zur Akkulturation sein.

In der von Veronika Zwerger und Ursula Seeber kuratierten Ausstellung der Österreichischen Exilbibliothek geht es um die soziale und symbolische Ebene des Essens, seine kulturelle Verortung im historischen Kontext. Schwerpunkte liegen auf den Themen: Konsumkulturen vor 1938; Essen und Mangel in Lagern und im Widerstand; Verpflegung auf der Flucht; Fremde Küche / Eigene Küche; Orte der Gastlichkeit im Exil: Cafés, Restaurants, Vereinsheime; Flüchtlinge als Kochbuchautorinnen und Köche; Kochbücher und Rezeptsammlungen des Exils; Essen als Motiv in Literatur und Kunst des Exils; Erinnerung an das Essen: die Zweite Generation.

Begleitbuch
Das gleichnamige Begleitbuch ist im Wiener Verlag new academic press erschienen und enthält neben zahlreichen Abbildungen wissenschaftliche Beiträgen von Sylvia Asmus, Thomas Ballhausen, Helga Embacher, Hannes Etzlstorfer, Patrick Farges, Claudia Geringer, Heike Klapdor, Brigitte Mayr, Anne-Rose Meyer, Sonja Niederacher, Michael Omasta, Georg Pichler, Swen Steinberg und Jana Waldhör sowie literarische Texte – meist an entlegener Stelle erschienen oder bisher unpubliziert – u. a. von Jimmy Berg, Alice Herdan-Zuckmayer, Joseph Roth, Egon Schwarz, Lore Segal, Fred Wander und Hermynia Zur Mühlen.

Ausstellung
01. Oktober 2018 – 10. Jänner 2019
Literaturhaus Wien, 1070 Seidengasse 13
Montag bis Donnerstag 9.00 bis 17.00 Uhr

Kontakt
MMag. Veronika Zwerger
Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus
exilbibliothek(at)literaturhaus.at
www.exilbibliothek.wien

Mit freundlicher Unterstützung von: Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, Wien Neubau, Jewish Welcome Service Vienna, Wirtschaftskammer Österreich
 

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