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Leseprobe: Doron Rabinovici - "Ohnehin."

Wie lange noch? Hier saß er, der Alte, rührte sich nicht und entschwand ihr dennoch, ehe eine Frage beantwortet war. Zuweilen war es, als werde er allmählich verweht, die Sätze verblaßten, und sein Gesichtsausdruck löste sich auf, irgendein Gedanke funkelte nach, um von einem anderen überblendet zu werden. Bärbl fühlte sich an die Lieblingsserie ihrer Jugend erinnert, in der Kämpfer einer zukünftigen Sternenflotte von einem Ort zum anderen übertragen oder gebeamt werden konnten. Herbert Kerber zerrann jedoch nicht in einen fernen Raum. Er verschimmerte von einem Zeitenloch zum nächsten.
Die Gespräche drehten sich im Kreis, obwohl Stefans Behandlung die Aufmerksamkeit des Patienten verstärkt, die Umlaufbahn seiner Gedanken und den Radius seiner Geistesgegenwart ausgedehnt hatte. Es dauerte nun nicht mehr fünfzehn, sondern zuweilen dreißig, wenn nicht gar vierzig Minuten, ehe er vergessen hatte, was mit ihm bereits besprochen worden war. Die Dramaturgie ihrer Gespräche änderte sich kaum. Der Vater fragte, ob sie einander bereits kannten, sie gab sich als Cousine ihrer Mutter aus, heiße Barbara, worauf er strahlte, begeistert war, eine Verwandte seiner Frau zu sehen, und anmerkte, wie ähnlich sie seiner Franzi sei. Er wollte wissen, wie es seiner Gattin gehe. Dann erkundigte sie sich nach seinem Wehrdienst, bohrte nach, doch irgendwann tauchte er ab, sah sie freundlich an und fragte neuerlich, wer sie sei. Danach: "Was? Du bist Franzis Cousine? Nein, wie schön! Wie geht es meiner Franzi denn?"

(S. 124f.)

© 2004, Suhrkamp, Frankfurt am Main.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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