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Herbert Rosendorfer: Rom.

Eine Einladung.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2003.
144 S.; brosch.; Eur[A] 10,20.
ISBN 3-462-03237-2.

Link zur Leseprobe

Reiseführer sind selten eine erbauliche Lektüre. Jedenfalls dann nicht, wenn man von ihnen mehr erwartet als eine mehr oder weniger langweilige Aneinanderreihung von Informationen über das Urlaubsziel. Aber schließlich will man ja wissen, wohin man fährt, und so verkaufen sich Polyglott und Konsorten trotzdem recht gut.

Dass es auch anders geht, zeigt Herbert Rosendorfer. Seine mit historischen Daten, Tipps und schrulligen Beobachtungen gespickte Liebeserklärung an Rom ist selbst dann genießbar, wenn man seine Begeisterung für die Stadt der Städte nur begrenzt zu teilen im Stande ist.

"Das Besondere an Rom ist, dass es immer Die Stadt war", erfahren wir gleich zu Beginn. Und mögen auch "die sonstigen Moden wechseln", von New York über London, Amsterdam, Bangkok oder ostmitteleuropäische Metropolen, die Römer verstehen sich immer noch als "der Mittelpunkt der Welt", und Rosendorfer ist nur zu gern bereit, ihnen darin Recht zu geben, Rom sei "Die Stadt, die Stadt schlechthin. Urbs sagten die alten Römer. Urbs mit Zusatz bedeutete irgendeine andere Stadt, urbs allein nur Rom."

Und Rosendorfer hat auch mit "Rom. Eine Einladung" keineswegs einen konventionellen Reiseführer verfasst. Wie der Untertitel bereits vermuten lässt, ist es sein Rom, das er uns zeigen möchte, eine Stadt jenseits der touristisch ausgetretenen Pfade, eine Stadt, die an jeder Ecke dazu einlädt, eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen, auf der uns der Autor nur zu gerne begleitet.

Er gibt uns eine Einführung in die komplizierte Frage der sieben Hügel; neben Sprüchen wie "753, Rom schlüpft aus dem Ei" ist es wohl auch eine Aufzählung derselben, an die wir uns aus dem Lateinunterricht noch verschwommen erinnern, aber so einfach ist die Sache bei Weitem nicht. Erstens sind es eigentlich mehr als sieben. Der Palatin besteht nämlich aus drei Hügeln, und auch für "Capitol" wäre die Mehrzahl angebracht. Und zweitens ist "überhaupt die Topographie Roms sehr verzwickt, wie nicht anders zu erwarten bei einer Stadt, die sich ständig gewandelt hat und ständig umgebaut wurde."

Aufgeräumt wird auch mit dem gängigen Irrtum, die urbs sei nach ihrem Gründer Romulus benannt. Umgekehrt, der Name der Sagengestalt sei später aus dem der Stadt abgeleitet worden. Uneinig sind sich die Gelehrten nun aber darüber, woher "Rom, Roma" wirklich kommt, aus dem Lateinischen oder dem Etruskischen, von "Stadt des Flusses" oder dem etruskischen Familiennamen Ruma?

Und übrigens: fragen Sie nie einen Römer nach solch komplizierten Dingen, die kennen ihre Stadt meist ohnehin nicht.

Folgen wir also lieber Rosendorfer auf seiner Rundfahrt mit der Straßenbahn Nr. 19: von Trastevere weit hinaus und wieder zurück über den Tiber bis zum Vatican. Und wenn man Glück hat und einen Sitzplatz ergattert, kann man durch die "infernalisch verstaubten Fenster" einen Blick auf ruhige Viertel, den Tiber, die Universität, geschäftiges Straßenleben und den einen oder anderen der sieben oder doch nicht sieben Hügel ergattern. Und dann vielleicht einen 8-Euro-Espresso im Caffé Greco schlürfen, für den einem in der nächsten Saison bereits neun oder zehn abgeknöpft werden, und sich an Rosendorfers Warnung vor dieser traditionsreichen Lokalität erinnern, in der schon Grillparzer verkehrte, die aber nun zu einer Touristenfalle schlimmster Sorte verkommen ist.

Wer eine Stadt wirklich gern hat, betrachtet sie von innen heraus und verschließt den Blick auch nicht vor ihren hässlichen Seiten. Rosendorfer zeigt uns Bausünden ebenso wie Sehenswürdigkeiten. Und spätestens seit den "Briefen in die chinesische Vergangenheit" wissen wir, dass er ein ausgezeichneter Beobachter ist und auch äußerst witzig zu beschreiben versteht, was er sieht. So etwa das Vittoriano-Denkmal, dessen Architekt Sacconi "Sinn und Maß für Proportionen wie ein Mutterschwein gehabt haben" muss, "das sich bekanntlich wegen seines schlechten Augenmaßes immer auf die Ferkel legt". Aber dagegen ist nichts zu machen: "Italienische Patrioten würden aufjaulen, wenn man es abrisse" und "japanische Touristen halten es für antik"

Nach einem umfassenden Rundgang kreuz und quer durch die Stadt, kreuz und quer durch die Jahrhunderte landen wir auch mit Rosendorfer beim Trevibrunnen. Und wer von früheren Aufenthalten vielleicht noch ein paar Lire zu Hause liegen hat, versenke sie am besten dort. Dort sind sie gut angelegt, wenn man mit oder ohne Aberglauben irgendwann wieder in die Stadt der Städte zurückkehren möchte.

Sabine E. Selzer
15. September 2003

Originalbeitrag

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