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Erika Rosenkranz: Und ich fand es herrlich. Erinnerungen einer Vertriebenen.

Wien: Czernin Verlag, 2001.
100 S., Halbl., EUR/A 15.-, öS 207.-.
ISBN 3-7076-0128-5.

Link zur Leseprobe

Erika Rosenkranz führte jahrzehntelang eine Tabaktrafik in Wien, der Stadt, in der sie geboren wurde, heiratete, Kinder bekam und die ihr dennoch nie zur Heimat wurde: "Ich wollte und bin immer noch bereit auszuwandern, obwohl ich hier ein schönes Leben gelebt habe. In Wien bin ich geboren, bewege mich in meinem Kulturkreis, aber sind meine Wurzeln hier? War es richtig auszuhalten? Wir haben viele Freunde, aber kann sich das nicht ändern?" Der Zweifel sitzt tief. 1938 hatte die damals Elfjährige mit ihrer Familie das Land verlassen müssen; sie war aus einer wohlbehüteten Kindheit mit Lycee und Geigenunterricht, mit französischer Gouvernante und Angst vor dem Zahnarzt, jäh herausgerissen worden. Von den politischen Umwälzungen hatte sie - von den Eltern relativ abgeschirmt - nur mittelbar erfahren: etwa als Schulkolleginnen ihr auflauerten, um sie zu verprügeln.

Über Italien gelangte die Familie nach Frankreich, wo mehrmals der Aufenthaltsort gewechselt wurde. Die finanzielle Situation war prekär: "Das Geld ging uns aus, die Franzosen erteilten keine Arbeitsbewilligung, da sie Emigranten offiziell als Touristen einstuften. Ohne carte de travail (Arbeitserlaubnis) oder carte d'artisan (Gewerbeausweis) war man seinem Schicksal ausgeliefert."
Die Familie war auf Geldsendungen der - ebenfalls geflohenen - wohlhabenden Großeltern angewiesen, auf die Unterstützung anderer Familien, auf Schwarzarbeit. Auch Erika, die dank ihrer Erziehung französisch sprach, musste zum Lebensunterhalt beitragen. Um eine angemessene Erziehung konnte sich niemand mehr kümmern. Sie hatte den Kind-Status hinter sich gelassen, träumte von Verehrern, genoss die neue persönliche Freiheit, fühlte sich wohl. "Und ich fand es herrlich".

Illegal kam die Familie 1942 in die Schweiz, wo sie - wie schon mehrmals zuvor in Frankreich - wiederum in Lagern untergebracht wurde. Ein Freund des Großvaters hatte die Unterstützung verweigert: "Bis zu diesem Moment war auf unserer Flucht alles wie durch ein Wunder gut gegangen. Niemand hatte nach unseren Papieren gefragt; einfache, gute Menschen, die Leben retten wollten und nicht an ihren Vorteil dachten, boten ihre Hilfe an. Ein Anruf von den wohlhabenden und frommen Aschers aber genügte, um von der Fremdenpolizei in ein Internierungslager gesteckt zu werden.[...] Später wurde uns das Motiv für Herrn Aschers Anruf bei der Polizei klar: Für jeden Inhaftierten erhielt man damals eine Entschädigung."
Nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz floh die Familie zurück nach Frankreich, erlebte hier das Kriegsende und stand neuerlich vor der Frage: Wohin? Wo Fuß fassen?
Erika, begeistert von den Berichten aus Palästina, von der Aufbruchsstimmung, die dort herrschte, machte sich auf den Weg. Neuankömmlinge erwarteten dort - Auffanglager. Die Eltern folgten nach, konnten sich in Palästina allerdings nicht zurechtfinden: "Meine Eltern taten sich schwer in Israel: Dort sollte man überall anpacken, wo es gebraucht wurde, und durfte sich nicht zu fein dafür fühlen. Papa wusste leider alles besser und Mutti konnte nicht vom hohen Ross steigen."
Die Eltern kehrten schließlich doch nach Wien zurück. Aufgrund von schweren gesundheitlichen Problemen kam auch Erika - die Ärzte hatten ihr zu einem Aufenthalt in Europa geraten - wieder in ihre Geburtsstadt, wo sie schließlich - anfangs widerstrebend - blieb. Die Frage, ob dies richtig war, beschäftigt sie noch immer.

Gefühle des Zweifels und der Heimatlosigkeit bilden den Rahmen des Rückblickes, der selbstironisch, knapp und mit großer Offenheit erfolgt. Erika Rosenkranz schildert schlicht und metaphernfrei was ihr widerfahren ist und versucht die Wahrnehmung des Kindes/der jungen Frau, das/die sie damals war, in ihren Text einfließen zulassen. Sie schrieb nicht nur ihre Autobiographie, sondern schuf auch ein interessantes zeitgeschlichtliches Dokument.

 

Barbara Angelberger
30. Jänner 2002

Originalbeitrag

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