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Leseprobe: Elisabeth Vera Rathenböck - "Marathon"

John und der Biograf blicken gerade in den Spiegel. Der eine in den im Bad im Dakota, der andere in den Spiegel im Bad im Majestic. In einer der fünf Wohnungen, jener, die im vierten Stock liegt.
Zwangsläufig endet ein Tag und ein anderer beginnt.
Welcher Tag auf welchen folgt, ist eine Frage der Inspiration, denkt John. Welcher Tag welchen anderen Tag zum Erlöschen bringt, ist eine Frage des Willens, denkt der Biograf.
Dein Tag will kommen, denkt John und meint die Versöhnung der Welt, die er, John, durchsetzen wird.
Dein Tag wird kommen, denkt der Biograf.
Mit schwerem Kopf ist der Biograf aufgewacht, hat sich eine Pall Mall aus der Schachtel am Boden neben dem Bett gezogen, hat sich den Polster ins Genick geschoben und sich die Zigarette ins Gesicht gesteckt. Hat sie geraucht und ist dann mit leichterem Kopf aufgestanden. Er geht an seinen Schreibtisch, auf dem der Buddha und der Holzelefant neben der Olympia stehen. Wächter der Notizen, die ein Windstoß dem Stapel entreißen kann, wenn er das Fenster öffnet. Es geschieht nicht. Die haben hier nichts verloren, denkt er und trägt die Figur, das Tier zurück aufs Bord. Die Aktenkoffer darunter. Zeigen im Morgenlicht ihre zweite Haut aus Staub. Er geht zum Fenster. Die Lamellen der Jalousie in Augenhöhe spreizt er mit zwei Fingern auseinander, sieht kurz hinüber, lässt die Blätter wieder zueinander. Er geht ins Bad. Jetzt vor dem Spiegel. Zwangsläufig hat der Tag mit einem Besäufnis geendet, nachdem John angekommen ist. John und er, beide haben sich betrunken. Jeder ist dabei für sich geblieben. Majestic gegen Dakota. Mein und sein Tag beginnen vor dem Spiegel, denkt der Biograf. Jeder erblickt für sich die verkehrte Doppelung seines Gesichts.
Er drückt die Zigarette am Waschbeckenrand aus, wirft die Kippe gezielt in das offene Closett, beugt sich über das Waschbecken. Kaltes Wasser rauscht in seine zur Schale geöffneten Handflächen, bleibt kaum darin stehen, weil der dicke Strahl alles Wasser in seinen Händen verdrängt. Mit benetzten Fingern streicht er sich über die Augenbrauen, die Schläfen entlang bis unters Kinn, Dreitagesbart. Er verschließt den Abfluss mit dem Gummipfropfen, das Becken füllt sich. Jetzt wäscht er sich das Gesicht, die Kälte des Wassers rötet ihm die ... Augen, die er nicht verschließt, wenn seine Hände das Wasser übers Gesicht schöpfen. Er trocknet sich ab und zieht sich an, Hemd, schwarze Jeans, graues Sakko. Die Sonne durchflutet seine Wohnung, als er sie verlässt.
Hochstehend verschleiß sie die Konturen der Häuser an der Central Park West, er biegt in die Transverse Road, seine Schritte verstummen im Lärm der ... Vögel von New York, die im Park hausen. Freier sind sie nie gewesen.
(S. 24, 25)

© 2001, Edition Pangloss, Wels.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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