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Karin Rick: Sex ist die Antwort.

Roman.
Tübingen: Konkursbuchverlag, 1999.
144 S., geb.; DM 24,80.
ISBN 3-88769-139-3.

Link zur Leseprobe

Nach dem ersten Kapitel weiß man: der Titel ist wortwörtlich gemeint.
Das zweite Kapitel ist noch eine Steigerung, das dritte, "Vorspiel", legt bereits die Vermutung nahe, dass Sex nicht nur die Antwort sondern der ausschließliche Inhalt dieses Romans ist, und auf den nächsten Seiten beginnen sich die LeserInnen zu fragen, ob sie da etwa billigster Bahnhofskioskware auf den Leim gegangen sind.

Doch etwas macht stutzig. Die Figurenkonstellation ist es nicht eigentlich. Denn die Schilderung einer Liebesbeziehung und/oder vielmehr etlicher Bettgeschichten zwischen Frauen enthält heute wohl keinen Sprengstoff mehr. Dass sich die Sache zwischen Lesben abspielt und nicht zwischen Männern und Frauen, das macht noch lange keine Literatur. Und dass das Ganze gut geschrieben ist, ist vielleicht nur einer gewissen Routine zuzuschreiben und bedeutet gar keine Kunst.

Aber da ist noch irgendetwas. Etwas, das uns zumindest dazu bewegt, noch weiterzulesen. Irgendwas zwischen den Zeilen scheint zu versprechen, dass es sich lohnt, dass irgendwo doch noch so etwas ähnliches wie eine Handlung auf uns wartet oder auch etwas anderes - Betrachtungen, tiefe Einsichten in die Abgründe der menschlichen Seele oder etwas in der Art.

Man liest also weiter, ohne wirklich zu wissen warum. Und tatsächlich lernen wir die Protagonistin nach und nach ein wenig kennen. Siehe da: es gibt ein Leben nach dem Sex. Die Ich-Erzählerin ist Feministin, hält Vorträge, diskutiert mit den ZuhörerInnen, arbeitet also, schläft, ißt, hat Interessen.

Und sie hat eine kürzlich beendetete Beziehung zu verdauen, was ihr schwerfällt und ihre neue Liebe belastet. Es ist auch mehr eine Affäre als eine Liebe, wie sich immer deutlicher herausstellt. Die neue Flamme, eine Bildhauerin, hat sich in ihrer Kunst sehr drastisch und unmißverständlich mit dem weiblichen Geschlecht beschäftigt und allem, was dazu gehört. Skandale bei ihren Ausstellungen waren vorprogrammiert. Unsere Protagonistin ist fasziniert.

Ohne mit den Skulpturen Bekanntschaft geschlossen zu haben, hätte sie sich wohl gar nicht für deren Schöpferin interessiert, gibt sie zu. Sie fühlt sich verstanden, angeregt, erregt. Die Bildhauerin Kaye hält, was die Skulpturen versprochen haben, und die beiden leben glückliche Wochen nach ihren sexuellen Phantasien, privat und öffentlich, bis an die Schmerzgrenze und auch darüber hinaus.

Der dritte Eckpunkt dieser nicht ganz gleichschenkeligen Dreiecksbeziehung ist Felicitas, vergleichsweise zart und unschuldig, eine Reinkarnation des guten Geschmacks und fast schon bieder. Sie ist recht erfolgreich in der Kunstszene und wohnt mit einem Mann zusammen, mit einem Homosexuellen allerdings, in geschwisterlicher Freundschaft.

Es fällt auf, dass im ganzen Roman sich nicht ein einziges Mal eine Frau von einem Mann angezogen fühlt oder umgekehrt. Die Beziehung zwischen Felicitas und ihrem Mitbewohner ist also platonisch, aber trotzdem sehr intensiv und gibt Grund genug für peinliche Auftritte und Eifersuchtsausbrüche von Seiten der Ich-Erzählerin, die sich immer wieder zurückgesetzt fühlt. Hier entsteht trotz allem schon fast eine Vierecksbeziehung.

Je länger die beiden in Trennung leben, desto mehr wird der Protagonistin aber klar, dass Felicitas ihre große Liebe ist und das Zusammensein mit Kaye eben doch nur auf Sex beruht. Oder fast nur. Sex, das ist die Antwort. Als Kaye sie nun auch in ihre Kunst einbezieht, kommt es zum Fiasko und dann schließlich doch zum Happy End ...

Der Roman ist weit nicht so modern, wie er sich gibt. Die Handlungsmuster sind sehr traditionell und keineswegs frei von Klischees. Es wird versucht, das Psychogramm einer Dreiecksbeziehung zwischen drei Frauen zu zeichnen, in die auch zuweilen ein Mann hereinschneit, der aber sozusagen erotisch nicht mitspielt. Es gelingt Karin Rick zwar, den Figuren Leben einzuhauchen und sie in manch komische Situation zu verstricken. Sie nimmt auch kein Blatt vor den Mund und kennt keine Tabus. Aber gerade in ihren drastischen Schilderungen erreicht sie bei weitem nicht die Klasse etwa einer Mutzenbacher/eines Salten. Der Roman nimmt sich selbst zu ernst und nichts aufs Korn. Und außerdem: es fehlt die Ironie.

Sabine E. Selzer
9. August 2000

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