logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Elisabeth Reichart: Nachtmär.

Roman.
Salzburg: Otto Müller, 1995.
247 S., geb.; öS 298.-.
ISBN 3-7013-0913-2.

Link zur Leseprobe

Fünf kleine Negerlein, die durch den Verrat am ungleichsten Teil ihrer Gemeinschaft eben diesen verlieren, versammeln sich vor dem Leser. Mittels innerer Monologe soll die vergrabene Schuld langsam sichtbar werden.

Marlen, Paula, Rudolf, Ingram: Seit ihrer Sponsion treffen sie sich einmal jährlich, um diesen Wendepunkt in ihrem Leben bei einem gemeinsamen Essen zu "feiern". Das fünfte Rad am Wagen, Esther, ist seit dem nächtlichen Ausflug in den Prater, damals, als sie noch ein "geschlossene[r] Kreis" (S. 8) waren, verschwunden.

Ineinander verschwimmende, sich gegenseitig überlagernde Zugeständnisse, Selbstvorwürfe, Motivierungsversuche und nicht zuletzt traumartige Ausritte in die Vergangenheit durchbrechen das "vertraute Nicht-Wissen-Wollen" (S. 188).

Die Herkunft der "Kerngruppe" scheint christlich-ländlicher Natur. Esther, Tochter ausgewanderter Juden, bildet vom Zeitpunkt ihrer Bitte um Aufnahme in die Gemeinschaft einen Gegenpol. Dem offiziell verordneten Bruch zwischen der Geschichte der Daheimgebliebenen und der Heimkehrer erwächst in der Gestalt Esthers ein potentieller Störfaktor, der die Unhaltbarkeit einer "geschichtslosen" Haltung vor Augen führt.

Die Schmährede Rudolfs unter dem Riesenrad trägt vergleichbar einer Erinnerungsstütze das darauffolgende Geschehen. Die Abkehr von der schwangeren Esther, die die Gruppe um Hilfe ersucht, provoziert Unheil.

Um sich von ihrer Schuld abzulenken, hängen die Vier ihren Träumen nach. Marlen ist durch die Funktion als Nur-noch-Hausfrau frustriert und will sich wieder dem Schreiben widmen. Ihr Mann Viktor ist Schauspieler, für ihn schreibt sie Rollen. Das neue Stück wiederum soll von Rudolf, dem Dramaturgen, der Direktion vorgeschlagen und zur Aufführung gebracht werden. Paula, die "ewige Regieassistentin" (S. 28), ist ebenfalls ein Teil dieser Tretmühle. Ingram, der Werbefilmer, muß dem Wunsch genügen, immer und überall die Reizschwelle zu durchbrechen. Mit dem Mitschnitt des Todes seiner Großmutter will er die ultimative Grenze setzen.

Sie alle winden sich von einer Lüge zur nächsten, von einem Traum in den anderen und bilden auf diese Weise Fixsterne inmitten ereignisloser Jahre, die umkreist werden von mehr oder weniger nichtssagenden Satelliten. Auch wenn sich vereinzelt die Gegenwart (Bombenterror in Österreich) zu Wort meldet, so arbeitet die Geschichte von diesen fünf Negerlein doch eines klar und deutlich heraus: Daß es unverzichtbar ist, zuerst die Lügen der Vergangenheit zu klären.

Claudia Holly
13. August 1997

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Wo die Sätze herkommen – Andrea Maria Dusl & Stephan Eibel Erzberg

Do, 18.10.2018, 19.00 Uhr Lesung & Debatte Sätze. Was machen sie mit uns? Wo kommen sie her...

"Was kann Literatur?"
mitSprache – Aktionstag 2018

Di, 23.10.2018, 18.00 Uhr Österreichweiter Aktionstag | Rede | Impulsreferate | Zitate | offene...

Ausstellung
Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Küche der Erinnerung. Essen & Exil

25 Jahre Österreichische Exilbibliothek. Ausstellung von 01. Oktober 2018 bis 10. Januar 2019

Tipp
flugschrift 25 von Ruth Weiss

Soeben ist die Jubiläumsausgabe der flugschrift erschienen. Sie wurde von der in den USA lebenden...

Literaturfestivals in Österreich

Kennen Sie die Europäischen Literaturtage in Spitz an der Donau? Den Blätterwirbel in St. Pölten?...