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Andreas Jungwirth: Zwischen Nase und Brillenbogen.

Einfälle mit Telefonomanien von Gerhard Jaschke.
Linz, Wien: Blattwerk, 1998.
o. S., m. Abb., brosch.; öS 180.-.
ISBN 3-901445-22-6.

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Andreas Jungwirths Einfälle sind meist zugleich auch Ausfälle. Irgendetwas, oft nur eine Kleinigkeit, eine irritierende Beobachtung im harmlosen Ablauf des Tages, eine ganz und gar nebensächliche Wortmeldung einer Person am Nebentisch - und schon verläuft das Leben nicht mehr wie eben noch kurz zuvor. So erzählen die 61 hier versammelten Miniaturen zum Beispiel von einem Schauspieler, der auf der Bühne als erstklassiger Sprecher gerühmt wird, dem im Leben aber selbst bei ganz banalen Sätzen die Stimme versagt; von einem Kaffeehaus-Stammgast, der besorgt beobachtet, daß - obwohl alle Tische besetzt sind - ausgerechnet bei ihm niemand anfragt, ob er sich dazu setzen könne; von einem Museum, das nach zahlreichen spektakulären Bildzerstörungen beschließt, seinen Besuchern Handschellen während ihrer Besichtigungsgänge anzulegen; von einem Mann, der seine Kaffeetasse zwar auf einer Untertasse serviert bekommen möchte, diese nach dem Trinken jedoch stets daneben stellt.

Viele der beschriebenen Personen entgleisen zwar, aus der Bahn geraten sie aber dennoch nicht. Im Gegenteil - sie richten sich gut ein in einem Leben voller Marotten und Ticks, ihnen gelingt es, durch kleine Tricks alles Bedrohliche schnell wieder in den Griff zu bekommen. Oder, wenn man es positiver sehen möchte: sie setzen ihre sehr spezielle, oft auch schrullige Sicht auf sich und die Welt äußerst selbstbewußt und konsequent durch. Trotzdem, einen Großteil der Texte könnte man sich auch gut in einer Lokalzeitung unter der Rubrik "Vermischtes" vorstellen.

Neben dem Sonderbaren, etwas Spleenigen findet sich aber auch so manche lakonische Beobachtung oder Feststellung ("Jedesmal, wenn die Nachrichten melden, daß wieder ein Flugzeug abgestürzt sei, bedauert er, es wieder nicht gesehen zu haben."). Das Angenehme ist, daß allen Texten das vordergründig Anekdotische fehlt ebenso wie der Hang zur schnellen und billigen Pointe. Jungwirth schraubt sich vielmehr in einen ganz und gar trockenen Schachtelsatzstil hinein, seine Sprache ist protokollhaft trocken, die Texte sind durchnumeriert. Gerade das Fehlen jeglichen Kommentars und die fast mechanisch-unpersönlichen Sätze bringen die kleinen Geschichten mitunter sogar an die Kippe zum Unheimlichen - eine Welt, in der das Absurde ganz unaufgeregt und fast bedrohlich normal regiert, eine Welt voll mit kleinen Fehlfunktionen, die jeden von uns - je nachdem - durch den Alltag helfen oder unangenehm quälen.

Was Andreas Jungwirth schlüssig beweist: Es gibt mehr zwischen Nase und Brillenbogen, als die ordentliche Schulwissenschaft sich träumen läßt. Ergänzt werden die Texte übrigens durch Kritzeleien von Gerhard Jaschke, die während des Telefonierens entstanden sind.

Karin Cerny
18. August 1999

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