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Leseprobe: Werner Schwab - "Abfall, Bergland, Cäsar."

P ist alleine zuhause, und P ist so zuhause, wie ein kindischer sechzigjähriger eben zuhause ist, sagen wir, daß P deswegen alleine sein haus hütet, weil Ps frau ihren sie peinigenden unterleib unter den händen eines arztes zur schau tragen muß. Der unterleib von Ps frau ist wie alle alten bäuerlichen frauenunterleiber verwahrlost, unbeobachtet, zerstört und ausgeleiert von einer von höchster stelle vorgeschriebenen kinderzahl. P tut sehr besorgt um sein weib, zum einen, weil es tüchtig ist und eherne wie demütige hände sein eigen nennt, zum anderen, weil des weibes unterleibskorrektur sein alleiniges haushüten ermöglicht. Kaum hat also Ps unterleib im sonntagsdirndl Ps haus verlassen, gleitet Ps hand unter Ps arbeitsschürze und schaukelt Ps leidlich gefüllten sack. Ps sack weiß jetzt genau um die dramaturgie, der er von P schon jahrzehntelang untergeordnet wird, und vibriert wie ein angeschossenes windspiel vor lauter behaglichkeit. Ps sack wird von P in den stall getragen werden und hinter einer ziege herunterhängen müssen. Aber zuvor holt P sich einen krug most aus dem keller hoch, setzt an und bewässert kräftig sein geheimnis. P weiß schon seit vor seiner zeit, daß der mensch ein feld ist, das bestellt werden will, und schämt sich eben nicht, weil ein feld sich halt nicht schämen muß. vor der stalltüre läßt einer wie P aber doch sein augenlicht kreisen, über felder, wiesen und wälder, die alle die seinigen sind, ob nicht irgendwo ein überflüssiger mensch ein herkommen im sinn hat, aber niemand benützt Ps grundstücke zum darauf gehen, nicht zuletzt wegen der mangelnden zielpunkte, die sie eröffnen über ihren gebrauchswert hinaus. Also taucht P in den stall, stellt den mostkrug in eine ecke und wühlt in der streu nach den heftchen mit den nackten blonden mädchen, die ausnahmsweise das herzeigen, was die ziegen immer vorweisen. Die einzige ziege, die neben der einzigen kuh steht, meckert gemessen, wie die meisten ziegen meckern, wenn man die ställe betritt, in denen sie stehen müssen. P hält ein aufgeschlagenes heftchen über der wirbelsäule der ziege wie eine partitur und vertieft sich in es und in die ziege. Die ziege ist es gewöhnt, P ist es gewöhnt, und das blondinenlochbild ist es in dem sinne gewöhnt, wie es eben für solcherne gewohnheiten gemacht worden ist. P entleert sich naturgemäß und knickt wie gewöhnlich ein dabei, das macht die zerfließende butter in den knien. Die kuh murrt, weil sie Ps entleerungszeit mit ihrer eigenen fütterungszeit verwechselt und eben doch nichts hereinbekommt aus dem loch in der graskammer. Die ziege rührt sich nicht, der erbleichte P packt seine gerätschaft zusammen. In welches loch schmeißen wir also an dieser stelle den blaßbefriedigten P? wir, die autorenschaft, ziehen uns diesmal mit mehreren variationen aus der affärenhaftigkeit." (S. 94-96)

© 2008 Literaturverlag Droschl, Graz-Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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