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Leseprobe: Linda Stift - "Kingpeng."

Wir nennen die Terrasse gegenüber Terrakottainsel. Bei Anbruch der Dunkelheit schalten sie die Scheinwerfer ein. Die gestreifte Hollywoodschaukel und die Rattankorbsessel sind in der Dämmerung jetzt meist besetzt. Gegen Mitternacht tauschen sie die Scheinwerfer durch Kerzenlicht aus. Dann kann man drüben außer den unruhigen Lichtflecken nichts mehr erkennen.
Eigentlich ist diese Wohnung in der Innenstadt zu teuer für meinen Bruder Nick und mich. Unser Partyservice wirft nicht viel ab. Jeden Monat wird mehr vom Konto abgebucht als draufgebucht. Trotzdem ziehen wir in keinen Außenbezirk. In den Sommernächten sitzen wir auf unserem winzigen Balkon, unbemerkt zwischen Küchenkräutern und Tomatenstauden. Ringsherum breitet sich eine verbeulte Dächerlandschaft aus. Wo immer es möglich ist, halten sich Menschen im Freien auf. wir schauen durch die schmiedeeisernen Stäbe auf die andere Seite. Unser Balkon liegt ein halbes Stockwerk höher als die Terrasse, sodass wir Eiblick auf die gesamte Fläche haben. Zwischen den Häuserfronten verläuft eine schmale Straße, kaum befahren.
Wir denken uns Dialoge aus, die wir als Besitzer der Terrasse führen würden.
Unsere Gläser stehen am Boden. Nick verwendet den Suppenteller auf seinen Oberschenkeln als Aschenbecher. Die Spaghettireste vom Abendessen vermischen sich mit Zigarettenstummeln und Asche. Ich benutze einen richtigen Aschenbecher.
Wir beneiden die Leute von gegenüber um ihre Terrasse mit den wuchernden Kübelpflanzen. Man hört Cooljazz und manchmal erklingt ein Männerlachen, das Schwingungen in die warme Abendluft wirft, so wie ein ins Wasser geschleuderter Kieselstein Kreise auf der Wasseroberfläche erzeugt. Vermutlich essen sie kaltes Geflügel oder Meeresfrüchte auf geeisten Endivien und triken Chablis aus langstieligen Gläsern. Nick und ich trinken kühlen Rotwein und zerbeißen Tütenhummerchips mit einem Hummeranteil von 0,5 Prozent. Die Chipsbrösel kleben auf Zunge und Gaumen und erinnern das Kribbeln, das entsteht, wenn man Explosiv-Brause im Mund zerplatzen läßt.
(S. 7f)

© 2005, Deuticke im Zsolnay Verlag, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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