logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Helmuth Schönauer: Bürger Metzger Meisterin.

Tiefprovinz-Roman.
Innsbruck: Kyrene, 2004.
128 S.; brosch.; Eur[A] 12,00.
ISBN 3-900009-00-7.

Link zur Leseprobe

Der Sumpf der Provinz ist ein beliebtes Thema in der österreichischen Literatur. Nicht zuletzt bei Helmuth Schönauer. Diesmal ist es Innsbruck, woran sich seine spitze Feder entlädt, die "Metropole" Tirols, wo sich alles um den Fleischkäs dreht, um eine deftige Bürgermeisterin, Metzgerin im bürgerlichen Beruf, und um ihren mit Unterwäsche handelnden Stellvertreter. Ein hübsches Grüppchen.

Es werden essentielle Fragen geklärt, etwa: Wer regiert in Schasibody? oder: Wer powert am femininsten? Neben der Bayernparade besuchen wir die Fleischakademie der Weltstadt der Provinz, spielen "Fang die Kuh!" und erhalten tiefen Einblick in die Lokalpolitik. Und wenn das alles nichts nützt, dann wird "notgewichst". Mit einem Wort: "Bürger Metzger Meisterin" ist die reinste Tourismuswerbung für Tirol und seine Hauptstadt.

Es wäre nicht Helmuth Schönauer, würde hier nicht ausgiebig geschimpft und zöge man alle und jeden und alles und nichts durch den Kakao. Manchmal in ironisch feiner und dadurch erst recht bösartiger Replik - das sind die amüsantesten Stellen - und manchmal in recht derben Worten und reichlich plump. Abwechslung muss sein. Und die Kunst der Nörgelei kennt mehrere Tonarten.

Trotzdem ist es gerade mit der Abwechslung leider nicht allzu weit her. Das eine oder andere Déjà-Vu-Erlebnis ist nicht auszuschließen, der Eindruck drängt sich immer wieder auf, so manches so oder so ähnlich schon einmal gelesen zu haben, und zwar bei Helmuth Schönauer höchstpersönlich. Er beginnt sich doch allmählich selbst zu wiederholen.
Oder, anders betrachtet: Er feilt an seinem unverwechselbaren Stil. Das ist wohl eine Frage der Betrachtungsweise.

Und dieses stete Changieren des Stils zwischen Bildungsbürgertum und ordinärster Ausdrucksweise ist tatsächlich typisch für Schönauer. Man mag das goutieren oder auch nicht, Tatsache ist: Es ist sein Markenzeichen. Ebenso die Übertreibung und die zynische Betrachtung provinziellen Stumpfsinns. Sei es nun österreichischer oder litauischer wie jüngst in "Der eingecremte Blick auf Vilnius" (2002).

An Humor mangelt es jedenfalls nicht. "Bürger Metzger Meisterin" ist wieder mal ein Buch, das sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Ein Buch, das den eigenen Standpunkt lächerlich macht, indem es nichts gelten lässt, was seinem Zynismus widersprechen könnte, und außerdem jedwede Intelligenzäußerung aus der Provinz äußert ... während es eben jene augenzwinkernd auf den Buchmarkt wirft.

Sabine E. Selzer
6. April 2004

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Kombo Kosmopolit XII präsentiert: Maschinenwut Cornelia Hülmbauer & Jelena Andelovski

Mi, 19.09.2018, 19.00 Uhr Lesungen & Gespräch Die Lesungsreihe Kombo Kosmopolit sucht den...

Radio rosa 12 – Verena Dürr | Ilse Kilic | Caroline Profanter | Sophie Reyer

Do, 20.09.2018, 19.00 Uhr Text-Sound-Performances "Warum sind wir da, wo wir sind, wenn...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...