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Ulli Stecher: Luis Stefan Stecher - Plauser Totentanz.

Bozen: Folio Verlag, 2002.
78 S., mit Abb., EUR 25,-.
ISBN 3-85256-225-2.

Link zur Leseprobe

Der kleine Vinschger Ort Plaus leistet sich ein Weltgemälde über Leben und Tod. Nachdem der alte Totentanz-Zyklus an der Friedhofsmauer nicht mehr zu retten war, trat man an den einheimischen "Weltkünstler" Luis Stefan Stecher heran, einen neuen zu malen.

Luis Stefan Stecher ist Schriftsteller und Maler, oft beginnen seine Bilder mit einem geschriebenen Text. So haben die achtzehn Bilder auch immer ein saftiges Motto, im vollen "Sound" des Vinschger Dialektes ausformuliert.

Heargott isch des Lebm schian - lai schianr nou weards Auferstian.
A Pfurrer lai isch insr Zait - woll woltalong die Eewigkait ...
Laich isch Laich, isch olm lai Laich - pann Huamgian saimr olle glaich.

So klar, heftig und witzig lauten die "Headlines", an die die Bilder angemalt sind im plastischen, realistischen Stil. "Die Leute sollen verstehen", heißt es irgendwo als didaktisches Konzept.
Das Verstehen scheint eingetroffen zu sein, Kinder betteln den Maler, wenn er nach Plaus kommt, ob er sie nicht "aui molen" könnte auf eines der Bilder, geradezu selbstverständlich ist der Gegenwartsbezug der Arbeit. Und Luis Stefan Stecher kommentiert diese Einstellung der Kinder mit Genugtuung, schließlich will er hier verstanden werden, nicht in einem fernen Land mit einem imaginären Preis. "Was tu ich mit einem Preis aus Philadelphia?", sagt er allen preisgeilen Künstlern, die gerade in Tirol überall ihre Händchen aufhalten und die Brüste hervorstrecken.

Auf den Bildern ist immer wieder der Tod zu sehen, manchmal als lustige Comics-Figur, dann wieder als Verkehrspolizist, der jemanden mit der Kelle herauswinkt aus dem Leben. Natürlich sind die erzählten und gemalten Geschichten immer ernste Angelegenheiten, nicht jedoch ohne einen ermunternden Schuß Ironie, wonach am Sterbebett jemand im Vorteil ist, der mit Fiktionen umzugehen vermag.

Der Band zeigt im Hauptteil die Bildtafeln als sattes Querformat, auf schwarzem Grund, links davon immer das Motto-Gedicht in der Vinschger und ins Gebrauchsdeutsche übersetzten Sprache.
Und in der ersten Hälfte gibt es eine originär für den Totentanz erfundene Literaturform, den biographisch inspirierten Kommentar zum möglichen Ende der Lebenszeit. Zu diesem Zweck hat Ulli Stecher ihren Vater ausgiebig und diskret befragt, die Kommentare laufen völlig freihändig und ungezwungen in die Beschreibungen der Bilder ein. Es entsteht ein lustig-philosophischer Text über die Gegenwart in Tirol und anderswo, über die Gedanken, die man sich beim Sterben machen könnte, über historische Vorbilder in der Kunst des Ablebens und Transzendierens. So kann man den Sinn des Lebens vom Ende her aufrollen, ohne daß es schwülstig oder niederschmetternd missionarisch wird.

Völlig erfrischt vom Todeskommentar der beiden Stecher blättert man noch einmal die Bilder durch, und vor allem eines wird man nie vergessen - der Tod auf einer Harley begleitet zwei Happy-Peppis elegant in den Tod. So schön kann das Leben sein, wenn es gut beendet wird.

 

Helmuth Schönauer
4. März 2003

Originalbeitrag

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