logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Evelyn Schlag: Das L in Laura.

Roman.
Wien: Paul Zsolnay, 2003.
213 S.; geb.; Eur[A] 18,40.
ISBN 3-552-0527-8.

Link zur Leseprobe

Ist das Erotik, dieses Suchen, für alles, was der andere sagte, die Neugier nach den Briefen mehrere Male am Tag, "diese Turniere und Gesetzbrüche" , die da über das Internet ausgetragen werden? Aber der Reihe nach.
Es passiert wie bei Petrarca, allerdings nicht in der Kirche, sondern auf einem Poesiefestival in Lissabon. Beim zufälligen Aufeinandertreffen im Hotellift verlieben sich zwei Menschen auf den ersten Blick, wobei Evelyn Schlag die Initiative der Frau überlässt. In der Folge verbringen die verheiratete österreichische Lyrikerin und der englische Poet David gemeinsame Tage in der Stadt am Tejo. Im Bett teilt David mit: "I sometimes sleep with men". Ob das der Grund dafür ist, dass die beiden nicht miteinander schlafen, wird nicht so recht klar.

Zu Hause in Österreich jedenfalls meldet Laura eine Emailadresse an, und es kommt zu einem höchst intensiven Austausch von Gedanken, Gedichten, Fragen, ... Mehrmals täglich mitunter auch nachts wird das Mail-Programm verwendet. Nur wenige Male telefonieren sie miteinander, sie werden in Hunderten von Briefen vertraut miteinander, "als wären sie seit Monaten in einer Raumkapsel miteinander unterwegs, in der sie einander nicht sahen und nur von verbaler Nahrung am Leben gehalten wurden."

"Petrarcas Laura hatte / keinen Körper gehabt" - Wir wissen es nicht, ob die berühmten 365 Gedichte an Madonna Laura (benedette sian tutte le carte) ein Ideal oder eine bestimmte Adressatin meinen. War sie nur ein Vorwand für Gedichte? Diesen Verdacht lässt die den Stoff souverän arrangierende Erzählerin Laura äußern, die freilich auch zugibt, dass es um David nicht anders bestellt sein könne.

Die wichtigste Rolle in den Briefen spielen Literatur und Bilder, doch auch die politischen Tagesereignisse bei der österreichischen Regierungsbildung des Jahres 2000 bleiben nicht unerwähnt. ("Sie staunte über die Experten unter ihren Kollegen, für die alles sehr klar war.") Wer mit dem Internet arbeitet, kann die Intensität der Beziehung und die Faszination des Mediums vielleicht nachvollziehen, dennoch ist das Gefühl nicht ganz zu unterdrücken, dass diese Cyberliebe insgesamt doch etwas papieren oder wie es bei Petrarca heißt "tutte le carte" ist. Hierin scheint mir der wahre Grund zu liegen, warum Laura meinen kann, ihren Mann mit dieser Beziehung nicht zu betrügen.

Immerhin es gibt das Treffen in Lissabon und später eines in Brüssel. Aber zuletzt heißt es doch: "Sie vermißte ihn wie verrückt, ja, und sie wünschte sich jetzt nichts stärker, als ihn sehen zu können, aber es war keine Sehnsucht nach einem Liebhaber, der ihren Körper nehmen würde."

Freilich hält Evelyn Schlag mit diesem Buch für ihre Leserinnen und Leser sehr vieles bereit. Die Autorin verwendet Elemente der Road novel, Handlungsorte sind Lissabon, das Mostviertel, Wien, New Mexico und New York, Brüssel und ein Dorf in Norddeutschland. Die Globalisierung ist also Fakt. Der Roman ist dem romantischen Konzept der Universalliteratur verschrieben, es haben hier nebeneinander die sehr persönlichen Erfahrungen und die politischen Ereignisse, Liebe und Tod, Jahreszeiten und PC, Poetik und Dichtung, Traum und Leben, Prosa und Poesie Platz. Überhaupt geht irgendwie alles in Kunst auf. Bilder, Gedichte geben die entscheidenden Impulse, Gedichte fassen zusammen und kündigen an. Selbst die Prosa ist voller poetischer Stilelemente. Das könnte so klingen, als wäre das Buch mühsam zu lesen, was aber nicht stimmt, denn es wohnt ihm eine angenehme Leichtigkeit inne, die auch große Literatur auszeichnet.

Helmut Sturm
22. April 2003

Originalbeitrag

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Radio rosa 12 – Verena Dürr | Ilse Kilic | Caroline Profanter | Sophie Reyer

Do, 20.09.2018, 19.00 Uhr Text-Sound-Performances "Warum sind wir da, wo wir sind, wenn...

Gabriele Petricek Die Unerreichbarkeit von Innsbruck (Sonderzahl, 2018)
Jürgen Berlakovich Tobman (Klever, 2018)

Fr, 21.09.2018, 19.00 Uhr Neuerscheinung Herbst 2018 | Buchpräsentationen mit Lesungen &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...