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Brita Steinwendtner: Die Steine des Pfirsichs.

Marlen Haushofer zugedacht.
Ottensheim an der Donau: Edition Thanhäuser, 2003.
72 S.; 8 Holzschnitte; brosch.; Eur[A] 20,00.
ISBN 3-900986-52-5.

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Es scheint, als ob Marlen Haushofer, Steyrs bekannteste Schriftstellerin, posthum mehr Beachtung erfährt als zu Lebzeiten. Ist erst vor kurzem die vielbeachtete Biografie von Daniela Strigl erschienen, so ist nun eine weitere Publikation zu Haushofers Leben herausgekommen. Brita Steinwendtner, Autorin, Journalistin und langjährige Leiterin der Rauriser Literaturtage, die in Steyr aufgewachsen ist, zeichnet in dem Buch "Die Steine des Pfirsichs" einfühlsam und mit einer Prise Pathos das Leben Marlen Haushofers nach. Das schmale Buch (knapp siebzig Seiten), erschienen in der Edition Thanhäuser, kann sich sehen lassen: Sorgfältig gebunden und gesetzt, mit wunderbaren Holzschnitten von Christian Thanhäuser versehen, ist es ein kleiner bibliophiler Schatz.

Steinwendner beschreibt annähernd chronologisch in 11 Kapiteln Haushofers Leben. Schon die Kindheit in Frauenstein pendelt zwischen den Polen Geborgenheit und abgrundtiefem Unverstanden-Sein. Das gelbe Försterhaus liebt und fürchtet sie, das strenge Leben im Klosterinternat in Linz wird ihr zur Qual. "Als junges Mädchen bildete ich mir zeitweilig ein, einen Stein in der Brust zu tragen. Damals wußte ich noch nicht, daß man diesen Zustand Depression nennt." Im Krieg wird sie zum Reichsarbeitsdienst nach Ostpreußen geschickt. Ab 1940 studiert sie Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien, wird bald schwanger. Aus Angst vor der Schande, ein uneheliches Kind zu erwarten, flüchtet sie ins Ausland. Im November 1941 heiratet sie - eine Notlösung? - den Zahnarzt Manfred Haushofer, der nicht der Vater ihres Kindes ist. Die Familienidylle will sich aber nicht einstellen. Ihr Mann hat eine Geliebte, sie lässt sich scheiden, heiratet ihn aber wieder. Glücklicher verläuft die Ehe dadurch nicht. Haushofer ist eine Frau, die sich nach Wärme, Licht und Geborgenheit sehnt, diese aber nie erhält. Sie leidet an der Kälte, dem feuchten Steyrer Klima, aber auch an der Gefühlskälte der Leute: "Sie geht durch die Gassen und Schweiß bricht ihr aus, rinnt kalt und klebrig über Brust und Schenkel. Korsett der Konventionen. Von wem, für wen geschnürt in einer Stadt von Arbeitern, deren Denken doch nur Schlot ist, die Tag- und Nachtschicht am Fließband und der Akkord."

Zwar flüchtet Haushofer aus dem engen, kleinbürgerlichen Steyr und vor den spannungsreichen Familienverhältnissen nach Wien, wo sie in literarischen Zirkeln verkehrt, doch kehrt sie immer wieder zurück in die ungeliebte Eisenstadt. Letztendlich muss sie aber an dem zermürbenden Doppelleben zerbrechen - Schreiben, Haushalt und die Arbeit als Ordinationsgehilfin lassen sich einfach nicht unter einen Hut bringen. Die Welt wird ihr fremd und bleibt fremd: "Je älter ich werde, desto klarer sehe ich, wie hoffnungslos wir alle verstrickt sind und ich bin froh für jeden, der nie zu Bewußtsein kommt." Das klingt doch sehr negativ. Kurz vor ihrem Krebstod schreibt sie: "Vielleicht hast Du zuviel geliebt und gehaßt - aber nur wenige Jahre - zwanzig oder so. Was sind schon zwanzig Jahre? Dann war ein Teil von Dir tot, genau wie bei allen Menschen, die nicht mehr lieben oder hassen können." Ungelebt und ungeliebt, könnte man ihr Leben übertiteln.

Steinwendtners Text ist eine subjektive Annäherung, ein poetischer Nachruf, eine Erinnerung, an manchen Stellen sehr nahe der Huldigung. Sie zitiert aus Haushofers Werken, schneidet Aussagen von ihr in den Text, montiert, assoziiert, lässt sich gleiten. Neben der Montage arbeitet sie mit der Ellipse, wodurch manches offen, vage und spekulativ bleibt. Sie führt stakkatoartige Aufzählungen an, variiert gekonnt das Erzähltempo, sodass der Text immer kurzweilig wirkt. Kritisieren könnte man die in einigen Passagen fehlende Distanz, die zu Pathos und manch kitschigen Sätzen führt, aber der Text will eben nicht bloß aus der Distanz informieren, will eben Identifikation schaffen, subjektiv sein, mitfühlen. Wem das missfällt, der sollte "Die Steine des Pfirsichs" nicht lesen. Dem anderen sei das schöne Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Peter Landerl
15. September 2003

Originalbeitrag

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