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Michael Schano: Der Soldat und das Mädchen.

Kremayr & Scheriau, Wien, 2002.
128 S., geb., EUR 14.90.
ISBN 3-218-00707-0.

Link zur Leseprobe

Michael Schano kommt aus dem Wirtschaftsjournalismus und legte jetzt bei Kremayr & Scheriau seinen ersten Roman vor. Da wir dazu neigen, in Schubladen zu denken, und einen Wirtschaftsjournalisten für einen klarsichtigen und auf Fakten bedachten Analytiker halten, überrascht dieser kleine 125 Seiten starke Text mit seiner Emotionalität und seinem Thema vom Leben nach dem Tod. Die 13jährige Maria ist an Leukämie erkrankt und muss sterben, sie und ihre Eltern wissen das. Maria hat Angst vor dem Tod, verbirgt diese jedoch vor den Eltern, sieht sie doch deren eigenes Leiden und die Trauer, das Kind zu verlieren. Nahe beim Haus der Familie steht eine Baumgruppe, unter der Maria sich gerne niederläßt. Dort trifft sie den Soldaten. Er sitzt in dem mittleren Baum, wo er im letzten Krieg ums Leben gekommen war. Maria hat Angst, ist aber auch neugierig, warum ausgerechnet sie mit dem Geist dieses Mannes kommunizieren kann. Sie stellt fest, der Geist des Mannes kann keine Ruhe finden und sie will ihm helfen.

Ein Leben nach dem Tod: für viele ein tröstender Gedanke, dass das irdische Leben einmal weitergehen wird, für andere ein Wunschdenken, welches nichts mit der Realität zu tun hat. Die erste Gruppe bezieht den Sinn ihres Lebens aus der Tatsache eines Weiterlebens nach dem Tod, der zweiten ist daran gelegen, den Sinn des Lebens noch auf Erden zu erfassen. Michael Schano hat mit diesem Roman offengelegt, dass er die erste Antwort bevorzugt. Tief beeindruckend ist die kleine Geschichte von Maria und dem Soldaten, die Schano in einfachen Worten erzählt. Es gelingt ihm, die Handlung so zu darzustellen, dass wir den Geist als eine reale Möglichkeit akzeptieren. Maria fühlt mit dem Soldaten mit und kann so ihre eigene Angst überwinden. Schnell erfasst sie, worauf es in der kurzen Zeit, die ihr noch bleibt, ankommt, und sie stellt die Weichen dem Geist zu helfen. Sie spürt auch, dass sie ihre eigene Angst vor dem, was nach dem Tod kommt, immer mehr verliert. Der Soldat im Gegenzug erkennt, für ihn gibt es ein weiteres Leben nach dem Tode, er bekommt eine zweite Chance und kann Maria helfen, den Übergang in das andere Leben zu meistern.

So gesehen, ist Schanos Roman religiös, ohne jedoch eine bestimmte Richtung vorzugeben. Alle Religionsgemeinschaften, die an ein Weiterleben nach dem Tod glauben, können gemeint sein. Die Emotionalität des Textes resultiert aus der Verdeutlichung der Ängste Marias und der Trauer ihrer Eltern, doch will der Roman Hoffnung machen mit seinem Glauben an das ewige Leben. Ob er dies auch erreicht, liegt daran, mit welcher Grundeinstellung der Text gelesen wird. Doch genaugenommen bietet Schano mit dem Roman um Maria und den Geist eine dritte, weniger starr religiöse, sondern rein menschliche Möglichkeit mit dem Tod umzugehen und bringt damit Skeptiker und Gläubige wieder näher zueinander: Maria hat noch kurz vor dem Tod ihren Sinn des Lebens gefunden und kann sich deshalb ohne großen Schmerz von dieser Welt verabschieden. Ein im besten Wortsinn "erfülltes" Leben bedeutet im hiesigen Leben zufrieden mit sich und seiner Umwelt zu sein, seinem Leben einen Sinn gegeben zu haben. Wer das erreicht hat, hat es auch leichter, wieder loszulassen. Also doch ein optimistisches Buch?

 

Eva Magin-Pelich
25. September 2002

Originalbeitrag

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