logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Evelyn Schlag: Brauchst du den Schlaf dieser Nacht. Gedichte.

Gedichte.
Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2002.
217 S., geb., EUR 16.40.
ISBN 3-552-05208-9.

Link zur Leseprobe

Die "Landschaften in / Fremden Gedichten sehen immer größer aus" (S. 18). So verhält es sich auch mit den Gedichten von Evelyn Schlag. Und daher brauchen sie etwas Zeit: "[I]ch lerne so langsam ich / Brauche Jahre um unsere Landschaft zu sehen" (ebd.), bekennt das Ich, das durch diese Gedichte, Natur- und Liebeslandschaften, Reise- und Erinnerungslandschaften, geht. Man muss sich, damit sie einen einlassen, in diese Gedichte erst einlesen. Dann aber werden sie eine/n weiter tragen. Man kann es durchaus auch als einen durchtriebenen Trick ihrer "Sprache ohne Punkt" (S. 68) betrachten: Punkt- und kommalos entziehen sie dem Auge jeglichen äußeren Anhaltspunkt, denn auch auf das Zeilenende ist nicht Verlass, setzt Schlag, sparsam zwar, doch gezielt auf die Kunst des Enjambements. Man muss sich daher den Rhythmus buchstäblich, entlang der Worte, ertasten. Er ist es, der die in diesem Band versammelten Gedichte, Elegien, Songs und erzählenden Langgedichte wie von selbst aneinander reiht und sie schließlich in eine einzige rhythmische Landschaft verwandelt.

In dem "Curriculum vitae" bezeichneten Gedicht am Ende des Bandes scheint implizit eine entsprechende Anleitung zur Lektüre, ein Curriculum also, enthalten. Das Ich hält fest, dass es trotz seiner Erfahrung "Mit betonter Langsamkeit lese und nicht / Wie man erwarten könnte geübter und / Mit Blick auf das was man weglassen kann" (S. 113). Das ist auf Schlags Gedichtband anzuwenden. Ein Weglassen könnte nur auf Zufall beruhen. Umgekehrt sticht keines der Gedichte dieses Bandes spektakulär hervor, wodurch es das Gleichmaß verraten würde.

Von der Bewegung getragen, sanft-, wehmütig ob "dieses / Um Ewigkeiten zu kurzen Sommers" (S. 11), führt Schlags Poesiereise zwischen Meer und Bergen, Städten und Gärten in jene Glückslandschaften, die zwischen dem Wunsch "laß uns im Schlaf / In Brüche gehen und von fremder Hand zusammen / Gesetzt werden die keinen Unterschied sieht" (S. 52) und dem Bewusstsein angesiedelt sind, "daß wir einmal gehen werden müssen / Weil uns nicht zusteht das Glück der Tiere" (S. 28). Die Erinnerung an den Schmerz, "Daß du mich einmal wirklich / Aus dem Schatten geholt hast // Von wo ich dich niemals / Will holen müssen" (S. 37), evoziert Schlag durch das Bild von Orpheus und Eurydike. Der Rilkebezug, in diesem Zusammenhang explizit gemacht, wird auch noch in anderer Hinsicht, durch den erwähnten kunstvollen Gebrauch des Enjambements hergestellt. Kleine Ehrerweisungen werden auch anderen Autorinnen entrichtet, wie etwa die hübsche an Pessoa: "Der Name des berühmten Dichters / Der Stadt kommt wie aus einer / Sodawasserflasche geschossen / Fernando P'ssoa". Mitunter allerdings wirken Verweise und Aufzählungen von Dichtern und Büchern doch auch selbstgefällig.

Interessanter sind dagegen wiederum die zahlreichen Bezüge zu viel unscheinbareren Phänomenen, die da alle Gegenstand eines elegischen Gedichts sind oder in kleinen Hymnen besungen werden: Stofftiere, Kunststoffrosen, amerikanische Pappteller oder ein Adressbuch mit kyrillischem Register aus dem ehemaligen Serbien. Tiere tauchen aus der Kindheit auf, um ihren "Gegenzauber" (S. 92) gegen die Verächter des Glücks zu entfalten. Das lyrische Ich selbst hat auf seinen Reisen einen Zuwachs an Souveränität erfahren: "Zurückblickend sehe ich ein Reh / Wie es langen Anlauf nimmt und dort / Wo sich der Garten über den Zaun lehnt / Mühelos übersetzt" (S. 113).

Martin Reiterer
2. Dezember 2002

Originalbeitrag

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Schreibworkshop für Mädchen von 10 bis 15 Jahren im Literaturhaus Wien

Do, 29.08.2019 10.00 bis 13.00 Uhr Eingang Seidengasse 13 Du schreibst gerne Geschichten,...

Junge LiteraturhausWerkstatt

Mi, 11.09.2019, 18.00–20.00 Uhr Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du bist...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
OUT NOW - flugschrift Nr. 27 von Marianne Jungmaier

Eine Collage generiert aus Schlaf und flankiert von weiteren auf der Rückseite angeordneten...

Literaturfestivals in Österreich

Bachmannpreis in Klagenfurt, Tauriska am Großvenediger, Ö-Tone und Summerstage in Wien – der...