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Ingrid Strobl: Ich hätte sie gerne noch vieles gefragt.

Töchter und der Tod der Mutter.
Frankfurt am Main: Krüger Verlag, 2002.
267 S., geb., EUR 22.90.
ISBN 3-8105-1920-0.

Link zur Leseprobe

Bislang hat sich die in Köln lebende österreichische Journalistin Ingrid Strobl in ihren Büchern, Radio- und Fernsehreportagen vor allem mit dem Themenkomplex Antisemitismus - Drittes Reich - jüdischer Widerstand etc. auseinandergesetzt.
Anlass für das nun erschienene Buch, das zwischen Erfahrungsbericht und Sachbuch oszilliert, war der Tod der eigenen Mutter. Zwei Jahre nachdem diese gestorben war, begann Strobl mit den Arbeiten am vorliegenden Werk.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste gibt einen Kürzestabriss über die - im deutschen Sprachraum angeblich nur spärlich erschienene - Sekundärliteratur zum Thema Mutter-Tochterbeziehungen. Strobl macht dabei interessante Entdeckungen. So etwa würden amerikanische Autorinnen ihren Müttern gegenüber eine liebe- und verständnisvollere Haltung einnehmen als deutsche Töchter. Ebenfalls im ersten Teil setzt sich Strobl mit der Darstellung des Todes der Mutter im literarischen Schaffen der Tochter auseinander. Analysiert bzw. vorgestellt werden dabei Texte von Else Lasker-Schüler, Verena Stefan (Autorin der "Häutungen", eines in den Siebziger Jahren geschriebenen Kultbuches der neuen Frauenbewegung), Louise Michel (eine der Initiatorinnenen der Pariser Commune), Virginia Woolf, Nelly Sachs und natürlich Simone de Beauvoir.

Im zweiten, weitaus umfangreicheren Teil schildert Strobl das Sterben der eigenen Mutter. Herausgerissen aus vermeintlich unaufschiebbaren Schneidearbeiten wurde sie nach Innsbruck gerufen. Während sie die sterbende Mutter pflegte, wurde sie immer mehr in die Welt des Todes hineingezogen. Sie konnte sich bewusst von ihrer Mutter verabschieden.

Ausgehend vom persönlich Erlebten versucht Strobl dann allgemeinere Muster in Mutter/Tochter Beziehungen aufzudecken. Zu diesem Zweck befragt sie 20 Frauen - Freundinnen u Freundinnen von Freundinnen - Frauen also mit einem relativ ähnlichen Erfahrungshorizont. Die meisten der befragten Töchter gehören den Jahrgängen 1948-1954 an (Strobl ist Jahrgang 1952), viele von ihnen waren zwischen 40 und 60 Jahre alt, als ihre Mutter starb. Beinahe alle der Befragten sind beruflich relativ erfolgreich, leben in Großstädten, nur ein Drittel der Befragen aber ist selbst Mutter.

Die Interviewpartnerinnen sind Frauen, die sich mit der Beziehung zur Mutter sehr eingehend auseinandergesetzt haben, die - zum Teil therapiegeschult- gelernt haben Situationen zu analysieren und in Worte zu kleiden. Sie alle sind Frauen, die die Lebenswelt der Mutter verlassen haben. Aufgebürdet wurde ihnen dabei schweres Gepäck. Einerseits erwarteten ihre Mütter von ihnen, auf eigenen Füßen zu stehen und erfolgreich zu sein, gleichzeitig aber sollten sie heiraten, Kinder bekommen, dem klassischen Frauenbild entsprechen. Oftmals erwähnt wird auch die Stummheit, die zahlreiche Nachkriegsfamilien prägte. Viele wissen nur wenig über die Herkunft der Mutter.

Strobl lässt die Frauen unter verändertem Namen und nach kurzer Vorstellung der Person über ihr Verhältnis zur Mutter sprechen. Zum Teil gibt sie die Interviews direkt wieder, zum Teil wird paraphrasiert. Wie die einzelnen Frauen das Sterben der Mutter erlebten, wird dann in einer Art Zusammenschau präsentiert. Dabei ist es nicht immer ganz leicht die zuvor beschriebenen Lebensgeschichten und Namen zu erinnern.

Insgesamt gelang Strobl mit diesen Gesprächen, ihren persönlichen Überlegungen und literarischen Querverweisen eine behutsame Einführung in die Thematik. Der versöhnliche Grundton mag bei der Auseinandersetzung mit dem oft ambivalenten Verhältnis zur eigenen Mutter, mit ihrem Tod und nicht zuletzt auch mit sich selbst helfen.

 

Barbara Angelberger
24. September 2002

Originalbeitrag

 

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