logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Roman Santeler: Anno Domini MM.

Gedichte.
Bozen: Raetia, 2000.
66 S., geb.; öS 161.-.
ISBN 88-7283-140-7.

Link zur Leseprobe

Die Kids der Gegenwart halten "MM" sicher für eine Software-Marke oder schmelzsichere Bonbons, mit dem Designer-Zeichen "MM" spielt Roman Santeler auf seine Art auf das Millennium an. Schon in dieser Überlegung zum Titel steckt ein Stück der poetischen Welt des Autors, einerseits ist er humanistisch ausgebildet und mit den Mythen der Antike vertraut, andererseits ist er Erzieher von Jugendlichen, die in einer Welt elektronischer Meßschranken und kompletter Evaluation heranwachsen. Diese Koordinaten muß man sich bei den Gedichten Roman Santelers hinzudenken, wenn im Text überraschend der Kontext gewechselt wird.

In den fünfundfünfzig meist sehr knapp gehaltenen Gedichten wird immer wieder ein Riß manifest, der scheinbar mitten durch die Zeit geht. Aber es sind nicht die drei Nullen, die das Millennium so aufregend machen, es ist die Wahrnehmung, die oft mitten im Satz die Richtung der Witterung ändert.
"Ein Katzensprung // neun Meter weit musst du springen / auf die andere Seite hinüber / ins nächste Jahrhundert / mir in die Arme." (S. 29) Die Floskel vom Katzensprung wird sportlich in Metern meßbar aufbereitet, aber in Wirklichkeit geht es um was anderes. Wie mißt man die Entfernung zwischen den Menschen, wie die Zeit zwischen einem Jahrhundertsprung?

Nach einer Ouvertüre über die vier Jahreszeiten, die letztlich immer wieder auf eine abgerundete, zeitlose Witterung abzielen, sind die Gedichte in vier Kapitel gegliedert:
"Unter uns", "Querfeldein", "Metropolis" und "... en passant". Mit diesen Schlüsselbegriffen lassen sich auch die Hauptmotive der Texte beschreiben. Interessant sind jeweils die Irritationen, die durch den Bilderwechsel entstehen, der Sprung im Bild ist im Entwurf mitkonstruiert. So heißt ein Abzählreim für Zeitgenossen etwa: "müde / matt / krank / schwerkrank / game over" (S. 23). Ein modernes "Panta rhei" fährt heutzutage mit der Rolltreppe, immer wieder kommen die gleichen Stufen aus dem Boden heraus und befördern immer gleiche Bewohner von Metropolis.

In einem sehr anregenden Vorwort zum Lyrik-Band stellt Walter Methlagl vier verschiedene Portale vor, durch die man das Buch lesend betreten könnte. So lautet etwa die dritte Empfehlung, auf die lyrische Sprache zu achten: "Der lyrische Sprecher: ein Nomade, ein Zigeuner, ein Bergmann, ein Bootsmann, Odysseus - jedenfalls immer in Bewegung, immer unterwegs, vieles bewegend. Die Sprache: Bewegung aus sich selbst, wie Fäden, die sich aus sich selbst ins Ungewisse entspinnen. Geht man auf ihnen - Schritt für Schritt, Wort für Wort, ein Seiltanz - siehe: sie tragen, über das ganze Netz hin, das dieser Band ist." (S. 5)

Roman Santeler hängt seine Gedichte wie leichte Wolle auf die Schnittstelle des Millenniums, aber mit der Ruhe ist es bald vorbei: "da sitz ich zur Siesta / im schattigen Garten / träume und verschwende / meine Gedanken an dich / die Kinder stürmen hinaus / der Bauer holt eilig / die Heuernte ein / der Nordwind wird Regen bringen" (S. 8)
So ist die Welt Anno Domini MM!

Helmuth Schönauer
2. November 2000

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Küche der Erinnerung – Essen & Exil

Mi, 26.09.2018, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation mit Lesung &...

Daniela Chana Sagt die Dame (Limbus, 2018)
Lydia Haider Wahrlich fuck you du Sau … (Redelsteiner Dahimène Edition, 2018)

Do, 27.09.2018, 19.00 Uhr Neuerscheinung Herbst 2018 | Buchpräsentationen mit Lesungen &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...