logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Matthias Schönweger: Flügelverleih.

Von diesem Fenster aus und durch die Tür.
Bildband und Wörterbuch.
Bozen: Raetia, 2000.
516 S., ATS 350.-.
ISBN 88-7283-133-4

Autor

Leseprobe

Matthias Schönweger ist der geheime Designer des Landes Südtirol. Alles, was man zum Gestalten und Verwalten eines kleinen mehrsprachigen Landes braucht, entwirft er in seiner Ein-Personen-Werkstatt mit großer Akribie, und oberstes Gebot ist die Umsicht, daß ja keine Kleinigkeit vergessen wird, denn ein Land besteht ja nur aus Kleinigkeiten.

Gegenstände, die man täglich in die Hand nehmen muß, und Parolen, die einem ständig an den Kopf geworfen werden, alles ist Material, und Matthias Schönweger breitet es in seinem Wörter-Bilder-Buch vor dem Leser aus.

Der Autor liebt das Paradoxe:
Da wird einem Verstorbenen die Waage vertikal ins Grab nachgeworfen, damit ihm die Erde leicht sei, und siehe, der Zeiger steht auf Null.
Eine Wahlempfehlung erweist sich wie immer als richtig, dieses Mal freilich geht es um das Rauchen.
Eine Stechmücke wird mit den Methoden aus der Autobranche beworben,
und Pinocchio spitzt sich nach dem Usus von Politikern selbst die Nase, mit der er gerade gelogen hat.

Neben diesen einprägsamen Situationen sind es vor allem markante Sätze, mit denen der Autor ungespitzt in die Leserschaft dringt.
"Wenn ich den Fuß vor die Tür setze, trete ich öffentlich auf."
"Handle, wie das Gesetz es befiehlt oder zahle den vollen Preis."
"Lebenskünstler sind Autodidakten."
"Wie zahm ist das Schwert ohne Arm, der Arm ohne Befehl, der Befehl ohne Schwert."
"Wenn ich sage, das ist Prosa, dann ist es Prosa!"
Viele dieser Anleitungen, Aufforderungen und Richtlinien könnte man sofort als Regierungsvorlage einbringen und einstimmig beschließen, denn sie sind durchgetestete "Volksmeinung".

Aber nicht nur der Inhalt des Buches nimmt "volkstümliche" Klischees augenzwinkernd aufs Korn, auch die Aufmachung, das semi-haptische Greifgefühl, die Farben der Schautafeln und der Einlege-Bändchen scheinen auf den ersten Blick reiner Kitsch.
Wie aus dem Schaufenster eines Devotionalien-Ladens glänzt die goldene Schrift vom Buchumschlag. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Mullbeutel, die in Ermangelung von Preßblumen ins Buch geschlagen sind, und die Figuren im Buch haben den Blick von weidwunden Foto-Helden.

Gerade diese kleinen Beigaben, die als aufgelassene Hygienebeutel oder ausgeschnittene Fußabdrücke von Engelsfiguren die Dimension des Fotos oder Papierdruckes sprengen, machen dieses Lexikon der angewandten Heimatkunde zu einem unentbehrlichen Nachschlagewerk für jene Stunden, in denen man vor lauter Symbolik des Alltags keinen Sinn mehr erkennt.

Helmuth Schönauer
20. Februar 2001

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
„LEBENSLANG“ – PODIUM Herbstheft

Mo, 19.11.2018, 19.00 Uhr Zeitschriftenpräsentation & Lesungen Lebenslang ist mehr als das...

Kombo Kosmopolit XIV präsentiert: Die zweite Welt Kateryna Kalytko, Iztok Vrencur & Cornelia Travnicek

Mi, 21.11.2018, 19.00 Uhr Lesungen & Gespräch Die Lesungsreihe Kombo Kosmopolit sucht den...

Ausstellung
Küche der Erinnerung. Essen & Exil

25 Jahre Österreichische Exilbibliothek. Ausstellung von 01. Oktober 2018 bis 10. Januar 2019

Tipp
flugschrift 25 von Ruth Weiss

Soeben ist die Jubiläumsausgabe der flugschrift erschienen. Sie wurde von der in den USA lebenden...

Literaturfestivals in Österreich

Kennen Sie die Europäischen Literaturtage in Spitz an der Donau? Den Blätterwirbel in St. Pölten?...